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Aufforderung zum Handeln dar. Sie müssten in Sachen Nachhaltigkeit innovativer werden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Marie-Therese Marek, Associate Partner bei Bain und Retail-Expertin, erklärt: „Die öffentliche Wahrnehmung der Top-Marken ändert sich derzeit deutlich. Ging es bislang vor allem um Status, Logos und Exklusivität, müssen die Hersteller von Nobelwaren heute ihren Fokus verstärkt auch auf Nachhaltigkeit, Diversität und soziale Verantwortung richten.“ Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch die sich wandelnden Ansprüche der jüngeren Kundschaft getrieben. Auf die Generationen Y und Z werden 2025 bereits rund 70 Prozent der gesamten Nachfrage nach hochwertigen Waren entfallen. An weiteren Veränderungen kämen die etablierten Marken jedenfalls kaum vorbei. „Die Luxushersteller werden in Zukunft nicht mehr nur mit außergewöhnlicher Kreativität und hoher Qualität punkten können“, betont Branchenkennerin Marek. „Vielmehr erwarten die Kundinnen und Kunden, dass sie von ihnen persönlich angesprochen werden und die Produkte zudem ihren Wertvorstellungen in puncto Nachhaltigkeit, Diversität und sozialer Verantwortung entsprechen.“ Eine Edelmarke, die diesen Ansprüchen vor allem mit Blick auf Produktionsbedingungen, Lieferkette und Belegschaft Rechnung trägt, erfüllt damit nicht nur die zunehmend strengere Regulatorik wie etwa Umweltrichtlinien – sie bleibt auch für eine neue Mitarbeiter- und Kundengeneration attraktiv. Für die Luxushersteller kann sich das schlussendlich auch wirtschaftlich auszahlen, da Marken mit einem entsprechenden Profil 2021 bereits dreimal schneller wachsen als der Marktdurchschnitt. TROST IM KALTEN WASSER DES ALLTAGS Als Seismograph für künftige Entwicklungen gilt bekanntlich die Börse. Wenn Aktien-Gurus wie Horst von Buttlar und Christian Röhl unlängst im Capital-Podcast von Luxus-Konzernen wie Hermès, L‘Oreal und LVMH, der größten europäischen Börsenfirma, schwärmen, die neben hohen Preisen für Exklusivität stehen, aber zugleich Kultur und Tradition verkörpern, stimmt dies durchaus hoffnungsvoll. Es gilt deshalb, die Nerven und den langen Atem zu behalten. Krisen ziehen herauf und werden überwunden. Der Wunsch nach Luxus, nach der großen Freude an kleinen Dingen und besonderen Gefühlen aber bleibt. Sich Zeit zu nehmen für sich selbst oder für den Lieblingsmenschen, obwohl noch so viel zu erledigen ist. Was scheinbar Verrücktes zu tun. Fallschirmsprung mit 75 Jahren? Warum nicht? Auch das ist Luxus. Oder sich einfach mal Konventionen zu verweigern. Stille Freude an kleinen Dingen zu haben. An dem neuen Duft, an der Creme, die ein wunderbares Hautgefühl verleiht, der Bluse oder dem Hemd, auf das wir schon lange ein Auge geworfen haben. Oder am unvergesslichen Dinner in einem, zugegeben, teuren Restaurant. Das alles hat nichts mit Dekadenz zu tun, sondern mit Lust. Luxus ist ein bisschen Sonne im kalten Wasser des Alltags, spendet Trost oder löst Frust. Motiviert. Rolf Kiesendahl 28 PROFILE GOLD EDITION 2022 szene TRENDS Foto: Alex Block/Unsplash

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