DAS TRENDMAGAZIN FÜR DIE PARFÜMERIE AUGUST/SEPTEMBER 2025 FLORAGORGEOUSGARDENIA &THENEWEAUDEPARFUMINTENSE
THE NEW PERFUME
PROFILE 4/2025 3 Göttliche Als Göttin in goldenem Glanz, schreibt GAULTIER DIVINE ELIXIR ihre eigene Geschichte. Der neue Duft von Jean Paul Gaultier ist ein Statement. Charismatisch, berauschend, kompromisslos. DIE METALLDOSE UND DER FLAKON Der Flakon von GAULTIER DIVINE ELIXIR ist ein kostbares Juwel – jedes Detail bestätigt ihre unbändige Kraft. Das goldene Korsett schmückt ihren bernsteinfarbenen Torso und schafft eine extravagante, unverkennbare Silhouette. Auch die Metalldose, verziert mit einer strahlenden Sonne, vereint goldene und bernsteinfarbene Nuancen – ein Zusammenspiel aus Stärke und Licht. DER JUICE Im Herzen dieser Kreation findet eine berauschende Begegnung statt: Salzige Frische trifft auf opulente Tuberose, die das Herz des Duftes mit leuchtender Sinnlichkeit erfüllt, während fesselnde Tonkabohne eine unwiderstehliche Aura entfacht. Gemeinsam schaffen sie eine langanhaltende Präsenz, die sofort in den Bann zieht. Ein Duft von elektrisierender Strahlkraft: GAULTIER DIVINE wird zum ELIXIR. STRAHLKRAFT
Der Sommer ist stets ein Versprechen: von Leichtigkeit, von Sinnlichkeit, von Entschleunigung. Und doch liegt in diesem Sommer eine Spannung – fast wie ein unmerklicher Unterton in einem gut komponierten Duft. Es ist die Spannung zwischen Sehnsucht und Realität, zwischen dem Wunsch nach Selbstentfaltung und der Erfahrung von Begrenzung. Eine Jahreszeit wie ein Kaleidoskop: fragmentiert, schillernd, in Bewegung. Wir leben in einer Zeit, in der selbst Luxus über neue Wege verhandelt wird. Wo früher das Opulente galt, rückt heute das Intime, das Persönliche, das Feinjustierte ins Zentrum. Der Duft wird zum Ausdruck von Haltung, zum Bekenntnis – ein olfaktorisches Manifest zwischen Regal und Straße. Wer trägt was, warum, wann? Nicht mehr der Duft allein steht im Fokus, sondern das, was er bedeutet – im Leben seiner Träger:innen, in ihrem Alltag, in ihrer Selbstverortung. Diese Ausgabe ist eine Einladung, das große Ganze hinter den feinen Nuancen zu entdecken. Wie spiegelt sich gesellschaftliche Bewegung in Duftvorlieben? Wie wird das Bedürfnis nach Struktur, Ordnung und Orientierung plötzlich auch in der Art sichtbar, wie wir Beauty und Pflege denken? Was haben Langlebigkeit und Nachhaltigkeit – sowohl als Konzept als auch als Ideal – mit der Zukunft unserer Branche zu tun? Der Sommer 2025 steht also nicht für Stillstand, sondern für Neujustierung. Vielleicht liegt die wahre Innovation dieser Saison nicht in der lauten Revolution, sondern im leisen Sortieren. In der Kunst, Duft und Dasein wieder in ein sinnstiftendes Verhältnis zu bringen. Wir wünschen Ihnen einen Sommer voller Inspirationen, neuer Texturen und wohltuender Akkorde. ZWISCHEN DUFT UNDDASEIN editorial
10 Wie sich Krisen im Einkaufswagen zeigen 16 Die neue „Verkörperung des Dufts“ 24 Mode-Designerin Iris van Herpen Foto: iStockphoto Foto: Warren du Preez & Nick Thornton Jones DAS TRENDMAGAZIN FÜR DIE PARFÜMERIE 4/2025 Herausgeber und Verlag GEUER MEDIEN GMBH Röpckes Mühle 2 25436 Uetersen Telefon (0 41 22) 9 99 79 0 E-Mail: office@geuermedien.de Chefredaktion Silke Bruns (verantwortlich für Szene und Marken) und Susanne Mittenhuber (verantwortlich für Leben und Menschen) Kleiststr. 25 46047 Oberhausen Telefon (02 08) 75 78 204 E-Mail: profile@markenverlag.de Abonnement PressUp GmbH Wandsbeker Allee 1 22041 Hamburg Telefon (0 40) 38 66 66 321 E-Mail: markenverlag@pressup.de Anzeigenpreisliste Nr. 17 vom 1.1.2025 Anzeigenmarketing GEUER MEDIEN GMBH Röpckes Mühle 2 25436 Uetersen Telefon (0 41 22) 9 99 79 0 E-Mail: office@geuermedien.de Anzeigenverwaltung GEUER MEDIEN GMBH Röpckes Mühle 2 25436 Uetersen Telefon (0 41 22) 9 99 79 0 E-Mail: office@geuermedien.de Layout Fronz Daten Service GmbH & Co. KG Marktweg 42, 47608 Geldern Druck Himmer GmbH Steinerne Furt 95 86167 Augsburg ISSN 1869-375X Der Umwelt zuliebe gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier. Nachdruck nur mit Genehmigung Erscheinungsweise: 6-mal jährlich Bezugspreise: Einzelheft E 6,00. Sammelbezug einzelner Ausgaben auf Anfrage, Jahresabonnement E 32,- einschl. Porto für Inland. E 32,- zuzüglich Porto für Ausland, für Auszubildende E 21,- einschließlich Porto. Foto: iStockphoto 04 2025
INHALT 36 DieSuche nach dem Glück SZENE TRENDS 8 Social-Media-Studie zum Wertewandel 10 Wie sich Krisen im Einkaufswagen zeigen 16 Die neue „Verkörperung des Dufts“: Eine Betrachtung des Wandels vom Accessoire zur Haltung 24 Ausstellung über Mode-Designerin Iris van Herpen LEBENTRENDS 30 Modulares Leben – Lebensstil der Zukunft? 34 Für Gesundheit zahlt man gerne 36 Die Suche nach dem Glück 38 Zeit für Longevity SCHÖNHEIT MARKEN+MENSCHEN 14 Gucci-Flora-Duft verspricht reine Glückseligkeit 22 Hommage an „Le Male“ mit Pop-up-Ausstellung 28 Zwischen Licht und Schatten: Interview mit Parfümeur Quentin Bisch 40 Hautpflege: Die richtige Reinigung 44 Mäurer & Wirtz: Influencer-Event auf Sardinien 46 Unternehmensmeldungen 50 Nachhaltigkeit als Teil der Unternehmenskultur: Die Parfümerie Wiedemann in Südbayern im Porträt 54 Neue Düfte für Sie und Ihn 57 Neue Pflegeprodukte 58 Unternehmensmeldungen Foto: Hide_Studio/AdobeStock 30 Modulares Leben 40 Hautpflege: Die richtige Reinigung Foto: iStockphoto Foto: iStockphoto
GEMEINSAME SACHE MACHEN Die größte Social-Media-Studie zum Wertewandel im deutschsprachigen Raum zeigt: Der Ton in den sozialen Medien wird aggressiver. Die Gesellschaft driftet weiter auseinander. Die Studie mit dem Titel „Werteindex Update 2024/1 – Haltung“ von Bonsai Research und Trendbüro bestätigt eine bereits „gefühlte Wahrheit“: Der Ton in den sozialen Medien hat sich verschärft – die Beiträge sind emotionaler und aggressiver geworden. Und angesichts der Polykrise – Krieg, Klima, steigende Kosten – wächst die individuelle Erschöpfung der Menschen: „Die in den letzten Monaten viel beschworene Resilienz scheint aufgebraucht“, konstatiert Jens Krüger, CEO von Bonsai Research: „Dass ,I am tired` im letzten Jahr oft gegoogelt wie nie, ist symptomatisch.“ Doch die Menschen finden bereits Lösungen für sich – oft in einer Besinnung auf das Wesentliche. „Statt um Lifestyle und seine Darstellung geht es verstärkt um die Orientierung an den eigenen Bedürfnissen“, ergänzt Ulrich Köhler, Leiter des Trendbüro. Die Posts drehen sich deutlich verstärkt um die eigene physische und mentale Gesundheit, das Pflegen vielfältiger Beziehungen sowie ein bewussteres Konsumieren – sowohl aus Gründen der Nachhaltigkeit als auch aufgrund mangelnder finanzieller Mittel. Außerdem wächst der Wunsch der User:innen, dass klimafreundliche Entscheidungsoptionen zugänglicher werden – was nicht nur rund um Bahnstreiks und Zugausfälle in den Posts thematisiert wird. Insgesamt wurden für den Werteindex 01/24 rund 12 Millionen Posts (genau: 12 439 351 Post) in deutschsprachigen Medien KI-gestützt ausgewertet. Quellen waren soziale Medien wie Twitter (X), Facebook und Instagram sowie Websites mit allgemeiner gesellschaftlicher und politischer Ausrichtung und hier jeweils die reichweitenstärksten Quellen, wie die Top-Sites aus dem Alexa-Ranking und den Blogcharts. Der Werteindex analysiert inhaltlich sowohl Texte als auch Bilder. HALTUNG ZÄHLT „Sowohl die Schärfe als auch die Inhalte der Social Media-Posts zeigen, dass die Gesellschaft weiter auseinanderdriftet“, betont Jens Krüger. Doch wie können wir lernen, mit dieser Erkenntnis und Komplexität umzugehen, sie gar als Teil von gesellschaftlicher Weiterentwicklung anzunehmen? Es braucht Haltung! Das ist die zentrale Botschaft der Herausgeber des Werteindex an die Menschen, die Institutionen und Unternehmen in Deutschland. Der Werteindex hat dazu Best Practices von Unternehmen und Institutionen gesucht und gefunden, die zeigen, dass es möglich ist, neue Wege zu gehen. Wer sich als Enabler positioniert, und mit den Menschen gemeinsame Sache macht, hat gute Chancen, auch zukünftig geliebt zu werden. Foto: iStockPhoto PROFILE 4/2025 8 szene TRENDS
Was wollen deutsche Beschäftigte? Und wo stehen sie mit ihren Wünschen im internationalen Vergleich? Der aktuelle Pulse Survey des Randstad Arbeitsbarometers 2025 hat Arbeitnehmende aus sieben Ländern befragt und zeigt: Flexibilität ist vielen wichtiger als ein hohes Gehalt. Allerdings zählt Jobsicherheit – dazu gehört beispielsweise auch die Möglichkeit, sich einem sich wandelnden Arbeitsmarkt entsprechend weiter zu qualifizieren – mehr als freie Zeiteinteilung oder die Wahl des Arbeitsortes. So hat für eine Mehrheit (59 Prozent) der deutschen Arbeitnehmenden Jobsicherheit höhere Priorität als Flexibilität im Job – damit liegt Deutschland dennoch unter dem internationalen Durchschnitt (67 Prozent). Jede:r zweite deutsche Beschäftigte (51 Prozent) würde flexible Arbeitszeit einem höheren Gehalt vorziehen (international: 59 Prozent). Während in Deutschland 45 Prozent der Befragten einen wenig inspirierenden Job für mehr Jobsicherheit in Kauf nehmen würden, sind es im internationalen Durchschnitt 59 Prozent. PROFILE ALS E-PAPER Die komplette Ausgabe PROFILE – Das Trendmagazinfür die Parfümerie steht immer auch als E-Paper für Tablet, Smartphone oder PC zur Verfügung unter: Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit der digitalen PROFILE! www.markenverlag.de/profile Im Job zählt Im Internet entwickelt sich der Sonntag zum Shoppingtag, zeigte eine neue, bundesweite Umfrage von AliExpress. Verbraucher:innen von heute sind danach weit davon entfernt, impulsiv zu handeln, sondern gehen zunehmend strategisch vor – und die Sonntage haben sich als Schlüsselmoment für fokussiertes, SelfCare orientiertes und mobiles Einkaufen herausgestellt. Laut der Umfrage kaufen inzwischen 13 Prozent der Deutschen sonntags gezielt Produkte mit hohem Nutzwert und längerer Lebensdauer wie Elektronik und Haushaltsgeräte – besonders beliebt bei jungen Erwachsenen (25 bis 34 Jahre), Männern und urbanen Verbraucher:innen. Auch Mode und Bekleidung zählen zu den Top-Kategorien. Besonders Frauen und die Altersgruppe 35 bis 44 Jahre stöbern sonntags gern nach Kleidungsstücken oder Schuhen. Neben Fashion boomen auch Beauty-Produkte, Accessoires und Pflegeartikel, vor allem bei jüngeren Konsument:innen. Besonders Frauen verbinden den Sonntag mit Self-Care und Planung, was sich direkt im Kaufverhalten widerspiegelt. Sonntag wird zu „bewusster Konsumzeit“ Fotos: iStockPhoto (2) SICHERHEIT PROFILE 4/2025 9
10 PROFILE 4/2025 szene TRENDS
Krisen prägen den Alltag – und den Einkaufswagen. Eine aktuelle tiefenpsychologische Studie des Kölner rheingold Instituts im Auftrag von Unilever zeigt, wie sich Konsumverhalten in unsicheren Zeiten verändert. Zwischen Sparsamkeit und Genussmomenten,Vorratskäufen und kleinen Luxusprodukten bewegt sich der Einkauf im Spannungsfeld von „Überleben“ und „Schöner Leben“. Die Untersuchung zeigt, dass der Rückzug in das private „Schneckenhaus“ eine von 93 Prozent der Befragten präferierte Bewältigungsstrategie ist, wenn Unsicherheit zunimmt. Dabei bekennen 65 Prozent der Befragten, dass die gesellschaftlichen Herausforderungen oft zu viel für sie sind. In solch schwierigen Zeiten kommt Marken eine neue, stabilisierende Rolle zu. Bewältigungsstrategien in diesen unsicheren Zeiten gibt es viele, auch das zeigt die Studie. Sie entstehen unbewusst, um den Alltag erlebbar zu gestalten. Dabei können mehrere Strategien von derselben Person angewendet werden. Insgesamt sechs Lösungsstrategien konnten identifiziert werden: Besinnungslose Betriebsamkeit – sie trifft auf 43 Prozent der Befragten zu, zur Untergangsdramatisierung neigen 44 Prozent. Für die mediale Vorwärts-Verteidigung entscheiden sich 50 Prozent. 86 Prozent fokussieren sich auf Hobby und Freizeit. 83 Prozent versuchen im Kleinen Ordnung in ihren Alltag zu bringen und 93 Prozent ziehen sich ins Private zurück und üben sich in Verdrängung. DER SUPERMARKT ALS SCHUTZRAUM Für viele Menschen ist der Gang in den Supermarkt mehr als eine bloße Besorgung – er dient der Selbstvergewisserung. Während die Welt draußen unsicher erscheint, vermittelt das volle Regal Stabilität: Es gibt noch alles, und man kann noch wählen. Vor allem Singles und ältere Menschen verbringen mehr Zeit beim Einkaufen als vor den Krisen, da es für sie auch eine willkommene Ablenkung und eine Form von gesellschaftlicher Teilhabe ist. Dabei verspüren 81 Prozent der Befragten beim Einkauf ein Gefühl von Freiheit und Selbstwirksamkeit, da sie sich bewusst entscheiden können. Wie sich zeigen EINKAUFSWAGEN KRISEN im 11 PROFILE 4/2025
Der Einkauf ist ein Balanceakt: Einerseits achten Konsument:innen verstärkt auf Preise, steigen auf Eigenmarken um, sammeln Coupons und nutzen Sonderangebote. Andererseits bleibt das Bedürfnis, sich hin und wieder etwas zu gönnen – sei es eine besondere Schokolade, ein Premium-Kaffee oder ein hochwertiges Pflegeprodukt. Diese kleinen Luxusmomente dienen als bewusste Belohnung und Stärkung in schwierigen Zeiten. 59 Prozent der Befragten genießen den Einkauf, um sich etwas Gutes zu tun, was zu einer positiven emotionalen Verstärkung ihres Verhaltens beiträgt. PRODUKTE MIT NEUER PSYCHOLOGISCHER BEDEUTUNG Die Krise verändert, wie Menschen Produkte wahrnehmen und nutzen: Hautcremes wie Nivea oder Dove dienen nicht mehr nur der Pflege, sondern werden als Schutzschicht gegen die Härte des Alltags empfunden. Insbesondere Marken, die Konsument:innen seit Langem vertraut sind, bieten für 77 Prozent ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit, was sie besonders in Krisenzeiten zu einem emotionalen Anker macht. Deodorants dienen im doppelten Sinne dem Selbstschutz. Angesichts des aufgeheizten gesellschaftlichen Klimas kommt man häufiger ins Schwitzen – oder fürchtet, selbst aggressiv und stinkig zu werden. Mit dem Deo umgibt man sich selbst mit einem Duftkokon, der den Charakter und die Aura einer transportablen Wohlfühloase hat. Die Eiscreme wird gar zum Trostspender. Verbraucher:innen berichten fast schwärmerisch, wie ihnen das Knacken der Magnum-Schokoladenschicht das Gefühl gibt, Widerstände zu brechen. Das Gefühl, den richtigen Biss zu haben, geht dann über in ein oraldramaturgisches Verschmelzungserleben. Mit dem Eis lösen sich für einen Moment auch viele Probleme auf, und man versinkt für kurze Zeit in einem süßen Nirwana. Diese kurze Flucht vor der Wirklichkeit lässt sich als Ess-Kapismus beschreiben. Fix-Produkte und Reinigungsmittel vermitteln das Gefühl, mit kleinen Handlungen Ordnung und Kontrolle zurückzugewinnen. Eine Tütensuppe, die sich mit heißem Wasser in eine Mahlzeit verwandelt, verspricht fast magische Problemlösung. Diese Verwandlungs-Magie wünschen sich viele auch in anderen Bereichen der Wirklichkeit, in denen man oft im Problemstau festzustecken scheint. Oft genannt und genutzt wird dann ein Reiniger. Mit seiner schnellen Verwandlungskraft will man zumindest im privaten Schneckenhaus glänzende Ergebnisse erzielen. EINKAUF ALS STATUSSYMBOL UND SOZIALE ERFAHRUNG Der Einkauf dient nicht nur der Versorgung, sondern auch als Ausdruck von Status und Lebensgefühl. Wer sich bestimmte Marken oder den Gang zu Edeka oder Rewe leistet, signalisiert sich selbst und anderen: „Ich kann es mir noch erlauben.“ Gleichzeitig wird der Supermarkt zum Ort sozialer Begegnung – im Gegensatz zur polarisierten Welt draußen erlebt man hier oft ein Gefühl von Gemeinschaft. Diese Rolle von Marken als soziale Brückenbauer wird durch das Unternehmensengagement gestärkt: 89 Prozent der Befragten sehen es gerne, wenn Unternehmen gemeinnützige Projekte fördern, obwohl dies nicht als reine PR wahrgenommen werden sollte. In einer brüchigen Welt erachten Verbraucher die Beständigkeit der Marken als beruhigend, während gleichzeitig Fortschritt durch Innovationen angestrebt wird. Stefan Pfeifer, Geschäftsführer von Unilever Deutschland, betont, dass Marken Brückenbauer sind, die Beständigkeit und Fortschritt vereinen. Während 77 Prozent Sicherheit durch vertraute Marken fühlen, müssen Unternehmen ihre Innovationskraft nutzen, um den wandelnden Bedürfnissen gerecht zu werden. MARKEN MÜSSEN SICH AUF DIE NEUE REALITÄT EINSTELLEN Die Studie zeigt, dass Menschen auch in unsicheren Zeiten Wege finden, sich etwas zu gönnen und sich durch gezielte Einkaufsentscheidungen zu stabilisieren. An Marken werden aus dieser Logik heraus im Kern drei Anforderungen gestellt. Sie sollen erstens für Nachhaltigkeit Verantwortung übernehmen und die Verbraucher:innen von der Komplexität des Themas entlasten. Sie sollen zweitens die dringend benötigten Genussmomente legitimieren. Und schließlich sollen sie Verbundenheit stiften und nicht mit gesellschaftlichen Triggerthemen polarisieren. Für Marken und Hersteller bedeutet das: Sie müssen verstehen, wie sich Funktion und Wirkung ihres Angebots für die Menschen verändert haben und welche neuen Potenziale es zu heben gilt. Wer sich darauf einstellt, kann nicht nur erfolgreich bleiben, sondern auch ein wichtiger Mutmacher im Alltag der Menschen werden. Durch Konsistenz, die vereint mit Innovation und authentischem Engagement dargeboten wird, können Marken in der Rolle als Brückenbauer und Stabilitätsanker weiterhin Bestand haben. Fotos: iStockPhoto (2) 12 PROFILE 4/2025 szene TRENDS
the new eau de parfum for men
Das neue Gucci Flora Gorgeous Gardenia Eau de Parfum Intense lädt ein, unvergessliche Augenblicke der Glückseligkeit zu erleben. Der bisher intensivste Duft der Kollektion wird von einer kulturellen Ikone und einer der unerschrockensten Künstlerinnen unserer Zeit verkörpert: Miley Cyrus setzt ihn mit ihrer freigeistigen Einstellung und kreativen Vielseitigkeit perfekt in Szene. Gucci Flora Gorgeous Gardenia Eau de Parfum Intense betont die florale Frische der Gardenie mit einer reichhaltigen, holzigen Intensität und strahlt so ausgelassene Freude aus. Der florale, holzige Gourmand-Duft hat seinen glückseligen Charme der Meisterparfümeurin Honorine Blanc zu verdanken: „Mit Gucci Flora Gorgeous Gardenia Eau de Parfum Intense wollte ich die Sinnlichkeit der Gardenie noch mehr betonen und den ganzen Tiefgang der Blume einfangen – von der cremigen Fülle bis hin zu den holzigen Facetten. Der Duft öffnet sich mit einer Welle von Zitrusnoten und entfaltet seine ganze florale Eleganz, bevor schließlich die eindrucksvolle Wärme der intensiv umhüllenden Tiefen zum Tragen kommt.“ Als Neuinterpretation des Flora Signature-Dufts unterstreicht Gucci Flora Gorgeous Gardenia Intense die GardeReineGlückseligkeit PROFILE 4/2025 14 schönheit MARKEN+MENSCHEN
nie-Noten des Originaldufts. Mit seinem noch intensiver holzigen Charakter setzt der Duft voll und ganz auf die Pracht der Blumen. Lebendige italienische Mandarin-Essenz beflügelt die Sinne, während eine strahlende Helligkeit den Weg in die Herznote weist. Hier vereint sich der Gardenie-Akkord mit Hedione zu einer wunderschönen Explosion floraler Noten. Diese grüne Fülle erzeugt eine strahlende Brillanz, die dem floralen Charakter des Dufts eine neue Dimension verleiht. Sandelholzessenz verstärkt diese Sinnlichkeit weiter und lässt eine reichhaltige, holzige Intensität entstehen. Das Ergebnis ist ein langanhaltender Duft, der jeden Augenblick mit einem Gefühl der reinen Glückseligkeit durchzieht. Die Essenz ermutigt alle, die den Duft tragen, ihre Sehnsucht nach Fröhlichkeit auszuleben. Gucci Flora Gorgeous Gardenia wird damit zum Teil einer Duftkollektion, die sich als Hommage an Vorstellungskraft, Freiheit, Weiblichkeit und Empowerment versteht. Sie feiert die Fülle der Emotionen und ihre einzigartige Evolution. Die Ingredienzen inspirieren und beflügeln. DIE UMVERPACKUNG Gucci Flora Gorgeous Gardenia Intense präsentiert sich als Sinnbild der Freude in einem fuchsienfarbigen Gewand. Das charakteristische Flora Muster des Hauses, ein Motiv lebendiger Blüten in intensiven Farben, wurde 1966 vom Künstler Vittorio Accornero de Testa für Gucci kreiert. Es ziert sowohl den Flakon als auch die Umverpackung. Auf dem Flakon erstrahlt zudem ein neuer „Intense“ Schriftzug in Gold, der dem Tiefgang des Dufts Tribut zollt. Wenn das Sonnenlicht auf seiner Oberfläche tanzt, offenbart der mysteriöse Flakon seine prachtvolle Seite und reflektiert damit die Dualität der Komposition. DIE KAMPAGNE Die Kampagne für Gucci Flora Gorgeous Gardenia Intense spielt mit der unvergesslichen, glückseligen Energie intensiver Emotionen. Erneut wird diese eindrucksvolle Perspektive von Miley Cyrus zum Leben erweckt, die den Charme des Dufts perfekt verkörpert. Umgeben von Blumen badet sie in dem goldfarbenen Licht eines Sonnenuntergangs. In den Motiven trifft die Energie der Skyline von Los Angeles auf die Schönheit der Natur – ein markanter Kontrast, der die intensive und doch verträumte Dualität des Dufts versinnbildlicht. Die Bilder greifen das surreale Narrativ der Kampagne auf. Sie lassen die Grenzen zwischen Realität und einer verzauberten Traumlandschaft verschwimmen und beschwören ein Gefühl des Staunens und der aufrichtigen Glückseligkeit herauf. DIE MAKE-UP-KOLLEKTION Der Duft dient auch als Inspiration für die Gucci Flora Make-up-Kollektion in limitierter Auflage: Das LimitedEdition-Duo aus Blush und Lippenstift umfasst entweder Gucci Blush de Beauté in 01 „Silky Rose“ oder 04 „Bright Coral“ sowie Gucci Rouge de Beauté Brillant in 208 „They Met In Argentina“. Die begehrenswerten Designs mit dem Flora-Muster passen perfekt zu den Düften der Gucci Flora Kollektion. Fotos: Tyler Mitchell, Charles Negre für Gucci Flora Gorgeous Gardenia Eau de Parfum Intense PROFILE 4/2025 15
Fotos: iStockphoto (3) PROFILE 4/2025 16 schönheit MARKEN+MENSCHEN
Düfte sind wieder politisch, persönlich und poetisch. In Zeiten fluider Identitäten, digitaler Überforderung und neu definierter Intimität entwickelt sich Parfum vom Accessoire zur Haltung. Das gilt nicht nur, aber in besonderer Weise für Nischendüfte – eine Spurensuche. VONDER ZUR VERFÜHRUNG „VERKÖRPERUNG“ Foto: Jay Soundo/Unsplash PROFILE 4/2025 17
Parfum war lange einfach zu lesen: ein Werkzeug der Verführung, ein Statussymbol, eine Erweiterung sozialer Codes. Doch in einer Zeit, in der Identitäten fließender werden, bekommt ein oft übersehener Sinn eine neue Bedeutung: der Geruch. Parfum ist heute nicht mehr nur Luxusaccessoire oder Verführungsinstrument, sondern wird mit neuer Bedeutung aufgeladen – als soziales Statement, als kulturelle Markierung und als Mittel olfaktorischer Selbstverortung. Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Zweck eines Parfums klar umrissen: Es sollte betören. Männer trugen Holz, Leder, Vetiver. Frauen trugen Blumen, Moschus, Vanille. Der Duft war Erweiterung der Geschlechterrolle, ein unsichtbares Kleid. Heute sind solche Narrative brüchig geworden. Die Duftlandschaft von heute ist komplexer geworden. Sie spricht leiser, vielstimmiger – und vor allem individueller. Die Generation, die sich nicht mehr über Besitz, sondern über Haltung definiert, fragt nicht mehr: Was sagt dieser Duft über mich aus? – sondern: Was spiegelt er in mir wider? Statt fremden Idealen zu folgen, wird der eigene Geruch zur Erzählung: situativ, sensibel, widersprüchlich. Es geht nicht mehr darum, wie man wirken will – sondern wie man gerade ist. Parfum wird nicht mehr getragen, es wird verkörpert. Es soll weniger darstellen als widerspiegeln: Stimmungen, Haltungen, Widersprüche. ImPROFILE 4/2025 18 schönheit MARKEN+MENSCHEN
mer mehr Marken setzen daher auch auf Kompositionen, die bewusst ambivalent bleiben. Die neue Duftästhetik ist zurückhaltender, vielschichtiger – und nah an der Haut. Vor allem für die jüngere Generation ist Parfum Teil eines ästhetischen Codes. Es wird gelayert, kuratiert, kontextualisiert – wie MusikPlaylists oder Moodboards. DUFT ALS SOZIALES ACCESSOIRE Was bleibt von einem Menschen, wenn er den Raum verlässt? Für viele: sein Duft. Und genau das macht ihn zum idealen sozialen Accessoire im postdigitalen Zeitalter. Während visuelle Codes – sei es die Kleidung oder seien es Tattoos – sofort sichtbar und oft berechenbar sind, wirkt der Duft subtiler. Er begleitet uns nicht nur – er verhandelt Zugehörigkeit: Bin ich Club oder Community? Er schafft Nähe, bevor Worte fallen – oder verweigert sich bewusst der Wahrnehmung. Ein Skin Scent sagt: Ich bin hier, aber du musst schon näherkommen, um mich zu verstehen. Ein animalischer Chypre-Duft schreit: Ich bin nicht hier, um zu gefallen. Duft wird zur Körperpolitik – flüchtig, aber bedeutungsvoll. ■ Skin Scent statt Sillage. Leise Düfte, die nur auf der Haut existieren, stehen für Intimität statt Inszenierung. ■ Layering als Selbstinszenierung. Kombinieren und Kuratieren wird zur Duftpraxis – jede Nase ein DJ. ■ Parfum als Non-Binary Code. Marken entkoppeln Duft von Geschlecht – und treffen den Nerv einer offenen Generation. ■ Duft wird politisch. Ob Klimafrage, Körperbild oder Herkunft – Duft spricht mit, auch ohne Worte. DIE ZEICHEN DER NEUEN DUFTKULTUR Fotos: iStockphoto (3) PROFILE 4/2025 19
In kaum einem Bereich spiegelt sich die gesellschaftliche Diskussion um Geschlecht, Identität und Diversität so subtil wie im Duft. Die Grenzen zwischen maskulin und feminin verschwimmen – nicht nur in der Sprache, sondern auch in den Molekülen. Marken verabschieden sich zunehmend von binären Kategorien. Sie sind mehr nur unisex, sondern genderless oder auch shared. Ein ledrig-animalischer Duft kann heute ein queeres Statement sein, ein pudrig-weicher Duft Ausdruck maskuliner Verletzlichkeit. In der jungen Nischenparfümerie wird Genderfluidität nicht erklärt, sondern erschnuppert. Düfte waren nie unpolitisch. Schon die Wahl der Rohstoffe – tierisch oder synthetisch, regional oder global – ist eine Entscheidung mit ethischer Implikation. Doch heute werden Parfums auch offen politisch gedacht: Marken positionieren sich zu Themen wie Gendergerechtigkeit, Inklusion, Klimawandel. Die Rohstoffgewinnung wird transparent kommuniziert. Verpackungsdesigns tragen Statements oder lassen sich vollständig recyceln. Parfumeure sehen sich nicht mehr als Dienstleister, sondern als Autoren einer Haltung. Der Duft wird Teil einer Wertedebatte – und wer ihn verkauft, muss diese Werte zunehmend mitdenken. Für die Parfümeriebranche bedeutet dieser Wandel ein Umdenken. Es reicht nicht mehr, Duft nach Zielgruppen zu sortieren. Stattdessen muss Duft kontextualisiert werden – als Erfahrung, als Haltung, als Möglichkeit. Retail-Konzepte sollten Erlebnisräume schaffen, in denen Geschichten erzählt werden – nicht bloß Produkte verkauft. Beratung muss sensibler, persönlicher, fragender werden. Und Sortimente müssen Diversität nicht abbilden, sondern ermöglichen. Foto: iStockphoto PROFILE 4/2025 20 schönheit MARKEN+MENSCHEN
„Du riechst heute nach dir“ – das ist ein Satz, den man nicht googeln kann. Und doch verstehen wir ihn sofort. In der Welt des Parfums gibt es eine eigene Sprache, die sich nicht an Regeln hält – sondern an Erinnerungen, Atmosphären, Hauttemperaturen. Die Sprache der Parfümerie ist eine stille. Und gleichzeitig hoch aufgeladen: sozial, emotional, kulturell. Wir nennen sie Sillage, wenn ein Duft noch im Raum steht, obwohl sein Träger längst verschwunden ist. Wie eine olfaktorische Handschrift – oder ein Schatten. Sillage ist kein technischer Wert, sondern ein Versprechen: dass jemand Eindruck hinterlässt. Manchmal ungewollt, immer unausweichlich. Andere Begriffe der Parfümsprache wirken fast medizinisch: Projection etwa – die Duftprojektion, also wie weit sich ein Parfum ausbreitet. Wie laut ein Mensch riecht. Man könnte auch sagen: die Duftpersönlichkeit. In Zeiten, in denen Nähe neu verhandelt wird – durch Pandemie, durch digitale Distanz, durch neue Schamgefühle – ist Projektion längst mehr als ein Produktmerkmal. Sie ist ein soziales Statement. Dann gibt es Düfte, die bleiben ganz nah an der Haut. Skin Scents nennt man sie. Sie flüstern statt zu schreien. Sie sind oft sauber, moschuslastig, intim. Sie behaupten nichts – sie gehören dir. Für viele sind sie der wahre Luxus: unsichtbar für andere, spürbar für sich selbst. Und dann: Aura. Ein Begriff, der aus der Esoterik oder der Kunsttheorie kommen könnte. Doch auch in der Parfümerie meint er mehr als einen bloßen Geruch. Aura ist Wirkung. Stimmung. Selbstbild. Vielleicht sogar das, was bleibt, wenn man den Duft längst nicht mehr wahrnimmt. Aura ist der olfaktorische Ausdruck einer Idee von sich selbst – bewusst oder unbewusst. Diese Duftcodes sind keine bloßen Fachbegriffe. Sie erzählen von einem kulturellen Wandel. Während das Parfum früher oft mit Status, Verführung und Eindeutigkeit verknüpft war – Chanel No. 5 für die Dame, Drakkar Noir für den Mann – erleben wir heute eine neue Sprache der Duftidentität: vielstimmiger, fragiler, oft widersprüchlich. Wir erleben sheere Düfte, die kaum da zu sein scheinen. Linear fragrances, die keine Entwicklung zeigen – sondern konsequent sind. Haute Parfumerie, die sich von der Masse absetzt, ohne laut zu sein. Oder shadow scents – imaginierte Düfte, die den Charakter eines Menschen spiegeln sollen, nicht nur seine Haut. Diese Begriffe sind mehr als Vokabular. Sie sind Symbole eines neuen Verständnisses von Duft: als Medium der Intimität, der Erzählung, der Unsichtbarkeit. Wer sie spricht, spricht nicht nur über Parfum – sondern über Nähe, über Erinnerung, über das Ich. Und vielleicht ist das der größte Code von allen: dass das, was man nicht sehen kann, manchmal am stärksten wirkt. Wir riechen, bevor wir verstehen – und oft bleibt das Verstehen ein Geheimnis. In der Welt der Parfümerie gibt es Begriffe, die mehr sind als Fachjargon... DUFTCODES: DIE SPRACHE DER UNSICHTBARKEIT Foto: Lena Ruffinatto/Unsplash PROFILE 4/2025 21
Vier Tage lang öffnete das Modehaus in der Rue Saint-Martin 325 im Juni seine Pforten für die Öffentlichkeit, um ein einzigartiges sensorisches Erlebnis zu bieten. Der Titel der Ausstellung: „And Gaultier Created Man: Le Male – Past, Present, Future“ – eine Hommage an den legendären Duft „Le Male“ von Jean Paul Gaultiers unverwechselbarer Vision von Männlichkeit. 1995 schuf das Enfant terrible der Mode den Duft Le Male: Der männliche Körper wurde zum Objekt der Begierde, der sich stolz in seinen Marinière-Matrosenstreifen präsentiert. Als Symbol für eine selbstbewusste, non-konforme Männlichkeit wurde Le Male zu einem Matrosen, der ohne Codes und Grenzen von Hafen zu Hafen segelte, mit der Freiheit als einzigem Kompass. Genauso revolutionär sprengte der von Francis Kurkdjian komponierte Duft die traditionellen Regeln der Herrenparfümerie mit seiner zugleich frischen und sinnlichen Mischung aus Lavendel und heißer Umkleidekabine. Die Ausstellung wurde als „Factory of Pleasure“ in drei Akten konzipiert, die die olfaktorische Struktur eines Duftes widerspiegeln: Kopfnote, Herznote und Basisnote. DIE KOPFNOTE Eine Hommage an Gaultiers Vision von Maskulinität. Als Pionier von inklusiver Mode und Verbündeter der LGBTQI+ Community hat Gaultier immer Identitäten gefeiert, die die Norm herausfordern. Le Male ist eine Hommage an Visionäre wie Cocteau, Genet, Fassbinder und Tom of Finland – Künstler:innen, die von freien, ungefilterten Körpern träumten, um Selbstexpression zu leben. Dazu gehören Korsetts und Röcke für Männer: provokative Designs, die neu definieren, was es bedeutet, männlich zu sein. Wie feiert man eine Ikone? Indem man einzigartiges Event schafft, das Einblick und Überraschung zugleich bietet. And Gaultier Created MAN... LE MALE 2000 @Jean-Baptiste Mondino for Jean Paul Gaultier. PROFILE 4/2025 22 schönheit MARKEN+MENSCHEN
DIE HERZNOTE Hier tauchen die Sinne in die berauschende Welt von Le Male ein: Sensorische Installationen und XXL-Flakons mit Kurven, die wie verbotene Früchte zum Anfassen einladen. Die Luft ist schwer vor Hitze, während schweißgetränkte Podeste und ein Chor von Le-Male-Flankierern eine Spur unwiderstehlicher Düfte verströmen. DIE BASISNOTE Der letzte Akt würdigte Gaultiers Vermächtnis furchtloser Kreativität durch eine neue Welle radikaler Künstler:innen. Harry Nuriev kreierte einen Raum ganz aus der ikonischen Metalldose von Le Male. Mahmoud Khaled und Alireza Shojaian bedeckten die Wände mit zarten, erotischen Fotografien und Gemälden. Der politische Soundtrack des palästinensischen Performers Bashar Murad pulsierte durch den Raum. Der Künstler Pepo Moreno verwandelte sich in „Dame Pepo“ und empfängt die Besucher mit einer multisensorischen Installation. Und Studierende der Kunsthochschule ECAL in Lausanne eroberten die berühmte Büste mit einem rebellischen „Festival deCan“ zurück – ein Beweis dafür, dass jede Revolution auf der Straße beginnt. Diese Ausstellung feierte die Kunst und die Vielfalt und vereint Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem mutigen Manifest. Le Male ist nicht nur ein Mann. Er ist viele Männer auf einmal. Warum? Because Gaultier said so. LE MALE 2003 @Jean-Baptiste Mondino for Jean Paul Gaultier. PROFILE 4/2025 23
Ein Kleid, das klingt. Ein anderes, das atmet. Manche sehen aus wie Korallen, manche wie galaktische Nebel. Und dazwischen Iris van Herpen – die Frau, die Mode nicht entwirft, sondern formt. Die Kunsthal Rotterdam widmet der Bildhauerin des Immateriellen ab Herbst eine multisensorische Ausstellung. Die der Zukunft Alchemistin 24 PROFILE 4/2025 szene TRENDS
Iris van Herpen. Cosmica dress, Shift Souls collection, Haute Couture spring/summer 2019. Colored clouds by Kim Keever printed on translucent organza | Photo by Warren du Preez & Nick Thornton Jones | Model: Jazzelle 25 PROFILE 4/2025
Iris van Herpen, 1984 im beschaulichen Wamel geboren, entdeckte ihre Leidenschaft für Mode auf einem staubigen Dachboden: Im Fundus ihrer Großmutter lagen alte Kleider, die von anderen Zeiten erzählten. Heute ist Van Herpen selbst eine Erzählerin – nur dass sie mit Stoffen, Algorithmen und 3DDruckern arbeitet. Ihr ästhetisches Denken ist geprägt von Symbolismus und Mystik – nicht zuletzt durch ihre Kindheit im Schatten Hieronymus Boschs. Seine fantastischen Kreaturen, die Verbindung von Mensch, Tier und Allegorie, inspirierten sie zu hybriden Wesen, die in ihren Entwürfen zwischen Mode, Skulptur und Metapher oszillieren. Ovids Metamorphosen, japanische Fabeln, alchemistische Texte – alles wird zu Stoff. Nach Stationen bei Alexander McQueen in London und der Textilkünstlerin Claudy Jongstra in Amsterdam gründete sie 2007 ihr eigenes Label. 2011 wurde sie in die Chambre Syndicale de la Haute Couture aufgenommen – als eine der wenigen Designerinnen, die nicht aus Paris stammen, und als eine der jüngsten überhaupt. Ihre Mode kennt keine klassischen Silhouetten. Sie ist Architektur, Bewegung, Philosophie – und immer auch ein Stück Naturforschung. EXTRAVAGANTE KOLLEKTIONEN: MODE ALS OPTISCHE ILLUSION Was ist ein Kleid? Eine zweite Haut? Eine Projektion? In Van Herpens Welt verschwimmen diese Kategorien. Besonders deutlich wird das im „Hypnosis“-Kleid, das sie gemeinsam mit dem Architekten Philip Beesley entwickelte: Schwarzes Lasergewebe, das bei jeder Bewegung seine Form verändert – schneller, als das Auge folgen kann. Eine optische Illusion, die den Körper zum Verschwinden bringt, während die Kleidung zu leben scheint. In der Kollektion „Crystallization“ ließ Van Herpen gleichsam Wasser erstarren: Ein eingefrorener Splash aus Glas, eine Flüssigkeit, die in der Luft zu schweben scheint. Das dazugehörige Top – ihr erstes 3D-gedrucktes Stück – Grafik: agrus/AdobeStock 26 PROFILE 4/2025 szene TRENDS
entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Daniel Widrig. In „Sensory Seas“ erforschte sie die Parallelen zwischen neuronalen Netzwerken und Meeresströmungen – sichtbar etwa im „Hydrozoa Dress“, dessen irisierende Farben an Tiefseequallen erinnern. Van Herpens Interesse gilt auch dem Unsichtbaren. Im „Henosis“-Kleid aus der Kollektion „Roots of Rebirth“ lässt sie thermoaktive Spitzen wie Myzelgeflechte aus einem Korsett sprießen – eine textile Hommage an Pilze und ihre unterirdischen Kommunikationssysteme. „Cathedral“, ein anderes Werk, übersetzt gotische Architektur in Bewegung: Rippengewölbe werden zu Körperteilen, das Kleid wird zur Skulptur. In Kollektionen wie „Syntopia“, „Voltage“ oder „Escapism“ schaut Van Herpen in die Zukunft – oder vielmehr: in eine parallele Gegenwart. Eine, in der der Körper zum Interface wird, die Kleidung zum Cyborg. Sie arbeitet mit recyceltem Meeresplastik ebenso wie mit NASA-Bildmaterial und erschafft Silhouetten, die schwerelos wirken – wie tanzende Gedanken im Raum. KREATIONEN, KUNST UND KLANG: MODE IM LABOR DER SINNE Auch die Ausstellung „Sculpting the Senses“ in der Kunsthal Rotterdam ist alles andere als eine gewöhnliche Modenschau. Sie ist ein Erfahrungsraum, ein Labor der Sinne, ein Cabinet der Verwandlung. Über hundert Kreationen der niederländischen Designerin verschmelzen darin mit zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und Klang – begleitet von einer Klanglandschaft des Soundkünstlers Salvador Breed. Am Ende der Ausstellung scheint van Herpens Mode zu fliegen. Und man begreift: Die Designerin hat nicht nur ein neues Kapitel der Haute Couture geschrieben. Sie hat ein neues Genre geschaffen. Oben links: Iris van Herpen. ‘Hypnosis Speed’ top, Capriole collection, Haute Couture fall/winter 2011-12. Utilising selective-laser-sintering 3D printing technologies, made from polyamide | Photo by Sølve Sundsbø | Model: Kyona van Santen Oben rechts: Iris van Herpen. Sensory Seas dress & Nautiloid dress, Sensory Seas collection, Haute Couture spring/summer 2020. Cellular deep-sea aquarelles printed to silk organza, oil painted by Shelee Carruthers | Photo by David Uzochukwu | Models: Cynthia Arrebola I Yue Han Unten links: Iris van Herpen. Serpentine dress, Capriole collection, Haute Couture fall/winter 2011-12. Black translucent acrylic sheets, stitched onto a stretch mesh base | Photo by Tim Walker & David Altmejd | Model: Duckie Thot Unten rechts: Iris van Herpen. Labyrinthine kimono dress, Sensory Seas collection, Haute Couture spring/summer 2020. 3D lasercut silk dendrites heatbonded to leaves of black transparent glass-organza | Photo by David Uzochukwu | Model: Cynthia Arrebola Die Ausstellung „Iris van Herpen: Sculpting the Senses” wird am 27. September 2025 in der Kunsthal Rotterdam eröffnet und ist bis zum 1. März des kommenden Jahres dort zu sehen. 27 PROFILE 4/2025
Mit Le Sel D’Issey Eau de Parfum lässt sich Parfümeur Quentin Bisch erneut von den Wellen und dem Salz der Ozeane inspirieren. Er kreierte einen langanhaltenden holzigen Meeresduft mit Ambernoten, der in seiner Dualität die Frische des Meeres und die lebendige Wärme der Erde einfängt. Nach Le Sel D`Issey Eau de Toilette kommt nun Ihre Komposition Le Sel D`Issey Eau de Parfum. Wie passt dieser neue Duft zu den Issey Miyake-Parfums und vor allem zu Ihnen? Le Sel D`Issey Eau de Parfum behält die Essenz der Verwandlung und der Bewegung zwischen dem Meer und dem Land bei, die durch Le Sel D`Issey Eau de Toilette etabliert wurde, und bringt gleichzeitig eine neue Intensität. Dieser neue Duft offenbart tiefere und komplexere Dimensionen, intensiviert die Geruchsempfindungen und bereichert die Aromapalette. Damit steht das Eau de Parfum im Einklang mit den Issey Miyake-Düften, die schon immer kraftvolle und lang anhaltende Düfte waren. Wie würden Sie die neue Duftkomposition beschreiben? Sie bietet ein harmonisches Gleichgewicht von holzigen und maritimen Noten mit einer Basis aus Amber. Diese Komposition erinnert an eine sensorische Reise, bei der die Frische des Meeres auf die Wärme der Erde trifft und ein reiches und komplexes Dufterlebnis schafft. Wie haben Sie den kreativen Prozess für diesen Duft begonnen? Der kreative Prozess begann mit dem ursprünglichen Projekt Le Sel D`Issey Eau de Toilette, bei dem sich die Hauptidee auf das Konzept der Bewegung konzentrierte. Inspiriert vom endlosen Wellenschlag und der Idee des Salzes als Mineral, das sich an Land ablagert, wollten wir einen Duft entwickeln, der diese Dualität verkörpert. In Zusammenarbeit mit den Teams von Issey Miyake haben wir einen kreativen Dialog geführt, in dem wir unseren Vorschlag immer wieder verfeinert haben. Jedes Element der Komposition wurde sorgfältig ausgewählt, um diese Interaktion zwischen dem maritimen Element und der Erde widerzuspiegeln und gleichzeitig neue Facetten zu integrieren, die das Geruchserlebnis bereichern. Auf diese Weise bewahrt das Eau de Parfum die Einzigartigkeit der ursprünglichen Idee und verleiht dem Duft eine neue Dimension, Zwischen undLICHT SCHATTEN PROFILE 4/2025 28 schönheit MARKEN+MENSCHEN
die es ihm ermöglicht, sich abzuheben und gleichzeitig die Issey Miyake-DNA zu respektieren. Was ruft Salz, die Hauptinspirationsquelle für diesen neuen Duft, bei Ihnen hervor? Für mich ist Salz die Erinnerung an Wellen, die die Erde streicheln und eine tiefe Verbindung zwischen Land und Wasser darstellen. Salz wird hier zu einem zentralen Element, das sowohl die Frische des Meeres als auch die Tiefe der Erde repräsentiert. In Le Sel D`Issey Eau de Parfum, einem holzigen Meeresduft mit Ambernoten, trifft die Frische des Meeres auf die lebendige Wärme der Erde. Können Sie uns mehr über die Dualität dieses Duftes erzählen? Le Sel D`Issey Eau de Parfum verkörpert eine neue Intensität, bei der die Natur in einem subtilen Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten hervorgehoben wird. Auf der einen Seite ist da seine salzige Facette, die das marine Element repräsentiert. Inhaltsstoffe wie Laminaria-Algen und die wässrigen Noten von Calypsone sorgen für eine belebende Frische, während Ambrofix, ein 100 Prozent natürliches Molekül aus der Biotechnologie, diese maritime Mineralität verstärkt und dem Duft Tiefe und Fülle verleiht. Andererseits verkörpert die holzige Facette die Erde. Das bereits im Eau de Toilette vorhandene Zedernholz von NeoAbsolute wird in dieser neuen Version durch die holzige Seite von Georgywood und Olibanum Oil Somalia Orpur – Weihrauchöl – verstärkt. Der Weihrauch mit seinen würzigen und zitrischen Akzenten verleiht dem Duft eine neue Stärke. Le Sel D`Issey Eau de Parfum ist intensiver als der Originalduft. Welche Duftnoten betonen dies? Ambrofix spielt eine Schlüsselrolle bei der Verstärkung der maritimen Facette des Duftes. Indem es die Reichhaltigkeit von Ambra hervorruft, erzeugt dieser Inhaltsstoff ein Gefühl von Mineralität, das wiederum an die Tiefen des Ozeans erinnert. Olibanum Oil Somalia Orpur und Georgywood hingegen betonen die holzige Facette und verkörpern die Erde. Ersteres bringt mit seinen würzigen und harzigen Noten zusätzliche Stärke in die Komposition. Letzteres verleiht der Komposition Tiefe. In der Parfümerie geht die Intensität eines Duftes oft Hand in Hand mit dem Gefühl von Kraft und Schwung. Ist das hier auch der Fall? Ja, die Kombination von kraftvollen und sich ergänzenden Ingredienzien, wie Ambrofix mit dem Duo aus Weihrauch und Ingwer, schafft eine Dualität, die eine Intensität erzeugt, die sich in einem Gefühl von Bewegung und Vitalität niederschlägt. Wie kann der Begriff der Intensität in einem maskulinen Duft so interpretiert werden, dass er subtil und nicht zu wörtlich genommen wird? Der Parfümeur muss mit dem Gleichgewicht und der Harmonie der Inhaltsstoffe spielen. Das Ziel ist es, eine fesselnde Präsenz zu suggerieren und nicht, eine brachiale Kraft aufzuerlegen. Durch die Verwendung von Noten, die Tiefe und Wärme ausstrahlen, ohne zu explizit zu sein, kann eine raffinierte Intensität geschaffen werden, die sich allmählich entfaltet. Was empfehlen Sie, um den Nachklang des Parfums möglichst lange zu intensivieren? Zunächst einmal ist es wichtig, das Parfum an einem kühlen, dunklen Ort aufzubewahren, fern von direkter Sonneneinstrahlung und Wärmequellen, um seine olfaktorischen Qualitäten zu bewahren. Beim Auftragen des Parfums sollten Sie sich auf die Pulspunkte konzentrieren, wie die Handgelenke, hinter den Ohren und am Halsansatz. Diese Stellen geben Wärme ab, die dazu beiträgt, dass sich der Duft mit der Zeit verbreitet und intensiviert. Ein Fehler, den Sie vermeiden sollten, ist das Reiben der Handgelenke nach dem Auftragen. Dadurch verändert sich die Struktur des Parfüms und seine Langlebigkeit nimmt ab. PROFILE 4/2025 29
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Ob anpassbare Wohnräume, flexible Arbeitsplätze oder langlebige Alltagsprodukte – Modularität passt perfekt in eine Zeit, die von ständigen Veränderungen geprägt ist. Was heute Trend ist, könnte zum dauerhaften Konzept werden, das unser Denken über Wohnen, Arbeiten, Konsum und Freizeit verändert. Wer weiß – vielleicht leben wir ja bald alle ein bisschen modularer! Ist das der Lebensstil der Zukunft? MODULARES LEBEN 31 PROFILE 4/2025
Modulares Leben bietet viele Möglichkeiten, den Alltag nachhaltiger, flexibler und individueller zu gestalten. Dabei geht es darum, dass verschiedene Lebensbereiche aus flexiblen, austauschbaren „Bausteinen“ bestehen. Das können Möbel, Wohnräume, digitale Tools oder sogar Arbeitskonzepte sein. Das Besondere: Nichts ist festgelegt. Statt starrer Strukturen kann man sein Leben immer wieder neu anpassen. Ob sich die Lebenssituation verändert oder man einfach mal etwas Neues ausprobieren will – mit modularen Lösungen bleibt man flexibel. Das sorgt nicht nur für mehr Abwechslung im Alltag, sondern hilft auch, Platz, Zeit und Ressourcen besser zu nutzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die finanzielle Ersparnis. Da man nicht immer komplett neu kaufen muss, sondern bestehende Module erweitern oder anpassen kann, spart man langfristig Geld. Zudem wird weniger produziert und entsorgt – ein klarer Vorteil für die Umwelt. MODULARES WOHNEN: ANPASSBARE WOHNRÄUME Ein Bereich, in dem das modulare Leben besonders sichtbar ist, ist das Wohnen. Gerade in Städten, wo der Platz knapp und teuer ist, wird es immer wichtiger, den Wohnraum clever zu nutzen. Modulare Möbel und flexible Wohnkonzepte sind hier die Lösung. So lassen sich Sofas umbauen, Betten in Schränken verstecken oder Tische mit wenigen Handgriffen vom Schreibtisch zum Esstisch verwandeln. Es gibt sogar ganze Wohnmodule – kleine, vorgefertigte Räume, die man wie Bausteine zusammenfügen und erweitern kann. So können Familien ihr Zuhause vergrößern, wenn Nachwuchs kommt, ohne gleich umzuziehen. Ein weiterer Trend sind sogenannte „Plug-and-Play“-Häuser. Diese vorgefertigten Module werden an einen Ort geliefert und vor Ort zusammengesetzt. Dadurch kann man in kurzer Zeit ein komplettes Haus aufbauen – und bei einem Umzug sogar mitnehmen. Solche Konzepte sind besonders in Ländern wie Japan und den USA im Kommen, wo platzsparendes und mobiles Wohnen immer gefragter wird. In Skandinavien setzen Firmen wie „IKEA“ und „Muji“ schon länger auf modulare Wohnideen. Auch Startups bieten kreative Lösungen an, wie Tiny Houses oder mobile Wohnmodule, die man einfach mitnehmen kann. Spannend ist auch die Entwicklung im Bereich Smart Home. Modulare Smart-Home-Systeme ermöglichen es, nach und nach Technik einzubauen – von Lichtsteuerung über Heizungsregelung bis hin zur Sicherheitsüberwachung. Alles wächst mit den Bedürfnissen. MODULARES ARBEITEN: FLEXIBILITÄT IM JOB Auch die Arbeitswelt wird immer flexibler. Homeoffice, Coworking-Spaces und flexible Arbeitszeiten sind längst norFotos: iStockPhoto (2) leben TRENDS 32 PROFILE 4/2025
mal. Modulares Arbeiten greift diese Entwicklung auf und schafft Arbeitsplätze, die sich anpassen lassen. In modernen Büros gibt es zum Beispiel modulare Schreibtische, Regale und sogar kleine Meeting-Boxen, die man nach Bedarf verschieben oder umbauen kann. So kann ein Raum morgens als Einzelbüro, mittags als Konferenzraum und nachmittags als offener Kreativbereich dienen. Dazu kommen digitale Tools wie Projektmanagement-Apps und Cloud-Dienste, mit denen Teams auch von verschiedenen Orten aus gut zusammenarbeiten können. Besonders bei digitalen Nomaden ist dieses Konzept beliebt. Sie reisen durch die Welt und arbeiten ortsunabhängig – dank flexibler Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten. Auch immer mehr Unternehmen sehen die Vorteile: Sie sparen durch flexible Arbeitsplätze Bürofläche und bieten ihren Mitarbeitern gleichzeitig mehr Freiheit, was zu mehr Produktivität und Zufriedenheit führen kann. MODULARER KONSUM: NACHHALTIG UND CLEVER Modulares Leben geht auch mit einem bewussteren Konsumverhalten einher. Statt Dinge wegzuwerfen, wenn sie kaputtgehen oder nicht mehr gefallen, setzt man auf Produkte, die man reparieren, erweitern oder umgestalten kann. Ein gutes Beispiel sind modulare Smartphones. Hier können Nutzer einzelne Teile wie die Kamera, den Akku oder den Speicher austauschen, ohne das ganze Handy zu ersetzen. Das spart Rohstoffe und verringert den Elektroschrott. Auch in der Mode wird das Konzept immer beliebter: Modulare Kleidung, bei der man Ärmel, Kragen oder Farben austauschen kann, bietet eine nachhaltige Alternative zur Wegwerfmode. In Zukunft könnten sogar ganze Schuhsohlen oder Taschen durch einfaches Austauschen von Modulen angepasst werden – je nach Wetter, Anlass oder persönlichem Stil. Zudem entstehen Plattformen, auf denen man Module tauschen oder weiterverkaufen kann. Das fördert eine Kreislaufwirtschaft, bei der nichts mehr ungenutzt bleibt. MODULARE FREIZEIT: FLEXIBLE PRODUKTE Nicht nur Wohnen und Arbeiten profitieren vom modularen Leben – auch die Freizeitgestaltung wird vielseitiger. Sportgeräte, die man für unterschiedliche Aktivitäten umbauen kann, sind ein Beispiel. So gibt es inzwischen Fahrräder, die sich mit wenigen Handgriffen in E-Bikes, Mountainbikes oder Lastenräder umwandeln lassen. Auch im Gaming-Bereich setzen Unternehmen auf modulare Konzepte. Konsolen und Computer können durch wechselbare Module an neue Spiele und Anforderungen angepasst werden – von leistungsstärkeren Grafikkarten bis hin zu zusätzlichen Controllern und Zubehör. 33 PROFILE 4/2025
Gesundheit ist nicht nur ein persönliches Anliegen, sondern ein zentrales Thema unserer Gesellschaft: 69 Prozent der Gesamtbevölkerung interessieren sich für Gesundheitsthemen, dabei bleibt es nicht allein beim Interesse, sondern knapp drei Viertel der Befragten (74 Prozent) geben an, dass es ihnen sehr wichtig ist, auch etwas für ihre Gesundheit zu tun, 42 Prozent verwenden vorbeugende Präparate, um ihre Gesundheit möglichst zu erhalten. Das sind Daten aus dem Branchenreport „Health 2025“ der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK). Die Studie zeigt, dass Verbraucher zunehmend selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Frei nach dem Motto „Selbst ist der Patient/die Patientin“ hat sich das Interesse an Over-theCounter-Produkten (OTC) in den letzten zehn Jahren verdoppelt, bei der jungen Generation (14 bis 29 Jahre) sogar verdreifacht. 26 Prozent der Befragten suchen bei gesundheitlichen Problemen die Lösung zunächst im eigenen Medizinschrank. Nur etwa 30 Prozent der Verbraucher:innen wissen genau, welches Produkt sie benötigen und kaufen möchten. Dem Empowerment der Patient:innen steht ein erheblicher Bedarf an Beratung gegenüber, der insbesondere bei der richtigen Dosierung von Medikamenten besteht. Diese professionelle Beratung holen sich die Befragten vor allem in Apotheken, die auch Top1-Einkaufsort für rezeptfreie Medikamente, Vitamine und Mineralien sind. Über 70 Prozent der Bevölkerung kauft seine OTC-Produkte in der Apotheke vor Ort, Drogeriemärkte und OnlineShops gewinnen aber zunehmend an Bedeutung. Gut die Hälfte der Käuferschaft (51,1 Prozent) hat Preis und Marke gleichzeitig im Blick. Gesundheitsbewusstsein ist en vogue: Immer mehr Menschen übernehmen Verantwortung für ihre Gesundheit und zeigen starkes Interesse an Gesundheitsthemen. FürGESUNDHEIT zahlt man gern leben TRENDS 34 PROFILE 4/2025
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