Profile 4-2025

mer mehr Marken setzen daher auch auf Kompositionen, die bewusst ambivalent bleiben. Die neue Duftästhetik ist zurückhaltender, vielschichtiger – und nah an der Haut. Vor allem für die jüngere Generation ist Parfum Teil eines ästhetischen Codes. Es wird gelayert, kuratiert, kontextualisiert – wie MusikPlaylists oder Moodboards. DUFT ALS SOZIALES ACCESSOIRE Was bleibt von einem Menschen, wenn er den Raum verlässt? Für viele: sein Duft. Und genau das macht ihn zum idealen sozialen Accessoire im postdigitalen Zeitalter. Während visuelle Codes – sei es die Kleidung oder seien es Tattoos – sofort sichtbar und oft berechenbar sind, wirkt der Duft subtiler. Er begleitet uns nicht nur – er verhandelt Zugehörigkeit: Bin ich Club oder Community? Er schafft Nähe, bevor Worte fallen – oder verweigert sich bewusst der Wahrnehmung. Ein Skin Scent sagt: Ich bin hier, aber du musst schon näherkommen, um mich zu verstehen. Ein animalischer Chypre-Duft schreit: Ich bin nicht hier, um zu gefallen. Duft wird zur Körperpolitik – flüchtig, aber bedeutungsvoll. ■ Skin Scent statt Sillage. Leise Düfte, die nur auf der Haut existieren, stehen für Intimität statt Inszenierung. ■ Layering als Selbstinszenierung. Kombinieren und Kuratieren wird zur Duftpraxis – jede Nase ein DJ. ■ Parfum als Non-Binary Code. Marken entkoppeln Duft von Geschlecht – und treffen den Nerv einer offenen Generation. ■ Duft wird politisch. Ob Klimafrage, Körperbild oder Herkunft – Duft spricht mit, auch ohne Worte. DIE ZEICHEN DER NEUEN DUFTKULTUR Fotos: iStockphoto (3) PROFILE 4/2025 19

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