Profile 4-2025

Iris van Herpen, 1984 im beschaulichen Wamel geboren, entdeckte ihre Leidenschaft für Mode auf einem staubigen Dachboden: Im Fundus ihrer Großmutter lagen alte Kleider, die von anderen Zeiten erzählten. Heute ist Van Herpen selbst eine Erzählerin – nur dass sie mit Stoffen, Algorithmen und 3DDruckern arbeitet. Ihr ästhetisches Denken ist geprägt von Symbolismus und Mystik – nicht zuletzt durch ihre Kindheit im Schatten Hieronymus Boschs. Seine fantastischen Kreaturen, die Verbindung von Mensch, Tier und Allegorie, inspirierten sie zu hybriden Wesen, die in ihren Entwürfen zwischen Mode, Skulptur und Metapher oszillieren. Ovids Metamorphosen, japanische Fabeln, alchemistische Texte – alles wird zu Stoff. Nach Stationen bei Alexander McQueen in London und der Textilkünstlerin Claudy Jongstra in Amsterdam gründete sie 2007 ihr eigenes Label. 2011 wurde sie in die Chambre Syndicale de la Haute Couture aufgenommen – als eine der wenigen Designerinnen, die nicht aus Paris stammen, und als eine der jüngsten überhaupt. Ihre Mode kennt keine klassischen Silhouetten. Sie ist Architektur, Bewegung, Philosophie – und immer auch ein Stück Naturforschung. EXTRAVAGANTE KOLLEKTIONEN: MODE ALS OPTISCHE ILLUSION Was ist ein Kleid? Eine zweite Haut? Eine Projektion? In Van Herpens Welt verschwimmen diese Kategorien. Besonders deutlich wird das im „Hypnosis“-Kleid, das sie gemeinsam mit dem Architekten Philip Beesley entwickelte: Schwarzes Lasergewebe, das bei jeder Bewegung seine Form verändert – schneller, als das Auge folgen kann. Eine optische Illusion, die den Körper zum Verschwinden bringt, während die Kleidung zu leben scheint. In der Kollektion „Crystallization“ ließ Van Herpen gleichsam Wasser erstarren: Ein eingefrorener Splash aus Glas, eine Flüssigkeit, die in der Luft zu schweben scheint. Das dazugehörige Top – ihr erstes 3D-gedrucktes Stück – Grafik: agrus/AdobeStock 26 PROFILE 4/2025 szene TRENDS

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