Profile 4-2025

entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Daniel Widrig. In „Sensory Seas“ erforschte sie die Parallelen zwischen neuronalen Netzwerken und Meeresströmungen – sichtbar etwa im „Hydrozoa Dress“, dessen irisierende Farben an Tiefseequallen erinnern. Van Herpens Interesse gilt auch dem Unsichtbaren. Im „Henosis“-Kleid aus der Kollektion „Roots of Rebirth“ lässt sie thermoaktive Spitzen wie Myzelgeflechte aus einem Korsett sprießen – eine textile Hommage an Pilze und ihre unterirdischen Kommunikationssysteme. „Cathedral“, ein anderes Werk, übersetzt gotische Architektur in Bewegung: Rippengewölbe werden zu Körperteilen, das Kleid wird zur Skulptur. In Kollektionen wie „Syntopia“, „Voltage“ oder „Escapism“ schaut Van Herpen in die Zukunft – oder vielmehr: in eine parallele Gegenwart. Eine, in der der Körper zum Interface wird, die Kleidung zum Cyborg. Sie arbeitet mit recyceltem Meeresplastik ebenso wie mit NASA-Bildmaterial und erschafft Silhouetten, die schwerelos wirken – wie tanzende Gedanken im Raum. KREATIONEN, KUNST UND KLANG: MODE IM LABOR DER SINNE Auch die Ausstellung „Sculpting the Senses“ in der Kunsthal Rotterdam ist alles andere als eine gewöhnliche Modenschau. Sie ist ein Erfahrungsraum, ein Labor der Sinne, ein Cabinet der Verwandlung. Über hundert Kreationen der niederländischen Designerin verschmelzen darin mit zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und Klang – begleitet von einer Klanglandschaft des Soundkünstlers Salvador Breed. Am Ende der Ausstellung scheint van Herpens Mode zu fliegen. Und man begreift: Die Designerin hat nicht nur ein neues Kapitel der Haute Couture geschrieben. Sie hat ein neues Genre geschaffen. Oben links: Iris van Herpen. ‘Hypnosis Speed’ top, Capriole collection, Haute Couture fall/winter 2011-12. Utilising selective-laser-sintering 3D printing technologies, made from polyamide | Photo by Sølve Sundsbø | Model: Kyona van Santen Oben rechts: Iris van Herpen. Sensory Seas dress & Nautiloid dress, Sensory Seas collection, Haute Couture spring/summer 2020. Cellular deep-sea aquarelles printed to silk organza, oil painted by Shelee Carruthers | Photo by David Uzochukwu | Models: Cynthia Arrebola I Yue Han Unten links: Iris van Herpen. Serpentine dress, Capriole collection, Haute Couture fall/winter 2011-12. Black translucent acrylic sheets, stitched onto a stretch mesh base | Photo by Tim Walker & David Altmejd | Model: Duckie Thot Unten rechts: Iris van Herpen. Labyrinthine kimono dress, Sensory Seas collection, Haute Couture spring/summer 2020. 3D lasercut silk dendrites heatbonded to leaves of black transparent glass-organza | Photo by David Uzochukwu | Model: Cynthia Arrebola Die Ausstellung „Iris van Herpen: Sculpting the Senses” wird am 27. September 2025 in der Kunsthal Rotterdam eröffnet und ist bis zum 1. März des kommenden Jahres dort zu sehen. 27 PROFILE 4/2025

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