In einer Welt, die zunehmend von Selbstoptimierung, Leistungsdruck und der Suche nach dem „besten Leben” geprägt ist, gewinnt die Frage nach dem Glück immer mehr an Bedeutung. Dabei ist Glück längst nicht mehr nur ein individuelles Anliegen – es ist zu einem kulturellen Imperativ geworden. Der finnische Philosoph und Forscher Frank Martela widmet sich seit Jahren genau diesem Thema. Seine Arbeiten verbinden Philosophie, Psychologie und empirische Forschung auf eindrucksvolle Weise. Mit seinem neuesten Buch „Das Happiness Paradox“ liefert Martela einen ebenso fundierten wie erfrischend ehrlichen Beitrag zur Glücksdiskussion – und fordert dabei viele populäre Vorstellungen heraus. Frank Martela lehrt an der Aalto-Universität in Helsinki, wo er sich vor allem mit der Wissenschaft des Wohlbefindens, mit Motivationstheorie und dem Sinn des Lebens beschäftigt. Sein multidisziplinärer Ansatz verbindet die existenzielle Philosophie mit psychologischer Forschung – insbesondere mit der sogenannten Selbstbestimmungstheorie (SelfDetermination Theory, SDT), die davon ausgeht, dass Menschen dann besonders zufrieden und „erfüllt“ leben, wenn sie drei Grundbedürfnisse befriedigen können: Autonomie, Kompetenz und soziale Verbundenheit. Martelas Forschungen sind international beachtet, seine Artikel erscheinen in renommierten Fachjournalen ebenso wie in populärwissenschaftlichen Medien wie Scientific American, Psychology Today oder der New York Times. Er gilt als einer der führenden Stimmen einer neuen, kritisch reflektierten Glücksforschung, die nicht nur fragt, wie man glücklich wird – sondern auch, ob man überhaupt danach streben sollte. GLÜCKALS PARADOX In seinem neuen Buch „Das Happiness Paradox: Warum die Suche nach dem Glück uns unglücklich macht – und was uns stattdessen erfüllt“, das 2024 in deutscher Übersetzung erschien, formuliert Martela eine ebenso einfache wie provokante These: Je mehr wir versuchen, glücklich zu sein, desto unglücklicher werden wir. Dieses Phänomen – das „Glücks-Paradox“ – ist nicht nur eine philosophische Beobachtung, sondern lässt sich auch empirisch belegen. Martela verweist auf zahlreiche Studien, die zeigen, dass Menschen, die dem Glück zu viel Bedeutung beimessen, oft unzufriedener mit ihrem Leben sind. Das obsessive Streben nach positiven Gefühlen, das sich in Ratgeberliteratur, Social Media und CoachingAngeboten manifestiert, führe paradoxerweise häufig zu Stress, Selbstzweifeln und einem Gefühl von Leere. Stattdessen plädiert Martela für einen sinnorientierten Ansatz: Menschen sollten sich weniger fragen „Wie werde ich glücklich?“, sondern eher „Was ist sinnvoll?“, „Wem kann ich helfen?“ oder „Welche Werte möchte ich leben?“ Glück ist für ihn kein Ziel, sondern eher ein Nebenprodukt von etwas Tieferem. ERFÜLLUNG Wenn WAHRES GLÜCK bedeutet leben TRENDS 36 PROFILE 4/2025
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