Profile 4-2025

Was bei der Parfümerie Wiedemann beeindruckt, ist nicht der Wunsch, besonders nachhaltig zu erscheinen – sondern der feste Wille, konsequent zu sein. Nachhaltigkeit ist hier keine Kampagne, sondern Grundhaltung. Sie zeigt sich in unzähligen kleinen, oft unspektakulären Entscheidungen – und gerade dadurch in einer bemerkenswert authentischen Unternehmensführung. Geschäftsführer Christian Wiedemann bringt es auf den Punkt: „Nachhaltigkeit beginnt vor allem im Miteinander – mit Wertschätzung, Verantwortung und dem Mut, auch kleine Schritte konsequent zu gehen.“ Als Familienunternehmen in der fünften Generation blickt das Unternehmen auf eine fast 170-jährige Geschichte zurück. Gegründet als Seifensiederei in Bad Tölz im Jahr 1856 hat sich Wiedemann über die Jahrzehnte stetig weiterentwickelt und gehört heute mit 23 Standorten in Südbayern und einem Onlineshop zu den führenden privaten Parfümerie-Unternehmen in Deutschland. GELEBTE VERANTWORTUNG Nachhaltigkeit ist für Christian Wiedemann Teil der Unternehmenskultur – auf allen Ebenen, ökologisch, ökonomisch und sozial. Für ihn beginnt Nachhaltigkeit im täglichen Miteinander – mit Mitarbeitenden, Kund:innen und Partnern. Schon vor mehr als 30 Jahren wurde ein Mentaltrainer im Unternehmen etabliert – ein ungewöhnlicher Schritt, aber einer mit Weitblick. Ziel war es, eine wertschätzende Unternehmenskultur dauerhaft zu verankern. „Keiner steht über dem anderen“, betont Wiedemann. Dieses Prinzip zieht sich durch alle Ebenen des Unternehmens: von monatlichen Teamleiterrunden über offene Feedbackkultur bis hin zu Weiterbildungsinitiativen, die emotionale Intelligenz, Achtsamkeit und Konfliktlösung in den Fokus rücken. Zwei systemische Coaches aus den eigenen Reihen begleiten heute aktiv die Teamentwicklung. Wiedemann ist überzeugt: „Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, entsteht etwas Größeres.“ Diese Haltung zeigt sich in zahlreichen Initiativen. Ob Tombola auf der Firmenfeier, Spendenaktionen der Belegschaft oder das „Tütengeld“, das in jeder Filiale für lokale Projekte gesammelt wird – das Engagement ist gelebte Unternehmenspraxis. 2024 gingen Spenden unter anderem an das Frauenhaus in Wolfratshausen, ein Kinderheim in Seeshaupt und die Deutsch-Indische Gesellschaft. Die Besonderheit: Jede Filiale entscheidet eigenverantwortlich, welche Einrichtung unterstützt wird – eine weitere Facette der dezentral gelebten Verantwortung im Unternehmen. Auch im operativen Geschäft wird nachhaltiges Handeln konkret umgesetzt. Verpackungsmaterialien sind plastikfrei, ChristianWiedemann PROFILE 4/2025 51

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