vbob Magazin 5/2025

© Björn Wylezich/stock.adobe.com Kommentierte Pressestimmen Der Koalitionsausschuss mit den Spitzen von CDU, CSU und SPD hat sich auf schnelle Entlastungen geeinigt: Das Energie-Sofortprogramm soll die Spritpreise spürbar senken, die Entlastungsprämie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärken. Die Regierungskoalition ermöglicht damit Arbeitgebern, im Jahr 2026 freiwillig eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von bis zu 1 000 Euro zu zahlen. Doch ob die Firmen das auch tatsächlich machen, bleibt offen. < Kritik kommt aus der Privatwirtschaft Die Wirtschaft will nicht die Rechnung für die Idee der Bundesregierung zahlen. Doch die Begehrlichkeiten wachsen. Wie der politisch aufgebaute Erwartungsdruck bei Unternehmen ankommt, macht zum Beispiel Gerhard Erdmann klar, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands für die Stahlindustrie. „Wir werden die 1 000-Euro-Prämie nicht bezahlen, schon gar nicht außerhalb von Tarifverhandlungen“, sagte er der F.A.Z. Der neuerliche Anstieg der Energiepreise treffe auch die Unternehmen hart. Es sei „widersinnig“, sie nun für eine politisch gewünschte Entlastung der Beschäftigten einspannen zu wollen. Wolle die Regierung den Beschäftigten trotzdem mehr zahlen, müsse sie dies selbst aus Steuermitteln tun. Außerdem führt Erdmann einen grundsätzlichen Einwand gegen solche Prämienpolitik ins Feld: Arbeitsverträge seien keine sozialpolitisch aufgeladenen Versicherungsverträge gegen alle Lebensrisiken – und dürften von der Regierung auch nicht dazu gemacht werden. Der politische Ansatz dahinter hatte schon kurz nach Bekanntgabe der Beschlüsse viel Unmut erregt. Von einem Pakt „zulasten Dritter, nämlich der Unternehmen“, sprach MarieChristine Ostermann, Präsidentin der Familienunternehmer. Doch selbst unter den Gewerkschaften löste der Beschluss keine einhellige Freude aus. FAZ.NET, 14. April 2026 Wirtschaftsvertreter warnen, dass wegen der schlechten konjunkturellen Lage viele Unternehmen keine Prämie auszahlen können. So sagte etwa der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (BDA), Steffen Kampeter: „Es ist unrealistisch, davon auszugehen, dass alle Unternehmen die Prämie zahlen können. Die Wirtschaftslage ist zu angespannt.“ Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft mahnte: „Angesichts explodierender Material- und Rohstoffkosten arbeiten zahlreiche Unternehmen längst an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Für viele Betriebe ist eine solche Prämie schlicht nicht finanzierbar.“ Und so werden voraussichtlich vor allem große, florierende Unternehmen ihren Mitarbeitern den Bonus auszahlen können. Kleine Betriebe und Unternehmen in angeschlagenen Branchen dagegen eher nicht. Kölner Stadt-Anzeiger, 16. April 2026 < Beamtenbund fordert Krisenbonus auch für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes Der Beamtenbund tut, was eine Interessenvertretung tun muss: Er fordert die Prämie auch für seine Klientel. Die Regierung bringt das in eine Zwickmühle. „Der Arbeitgeber Staat hat bei den geplanten Einmalzahlungen eine Vorbildfunktion“, argumentiert BeamtenbundChef Volker Geyer gegenüber BILD. „Wenn die Bundesregierung die Unternehmen in die Pflicht nimmt, muss der Staat als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen.“ Bund, Länder und Kommunen müssten den „Krisenbonus“ schnell einführen – und zwar als echte Zusatzleistung, die nicht mit Tarif- oder Besoldungserhöhungen verrechnet wird. Bild, 15. April 2026 Zugleich verweist der dbb auf ein grundsätzliches Problem des Modells. Da die Prämie von den Arbeitgebern gezahlt werden soll, könnte es je nach wirtschaftlicher Lage große Unterschiede geben. Nicht alle Beschäftigten dürften daher 10 vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte > vbob Magazin | Mai 2026

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