vbob Magazin 9/2026

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir erwarten nach der Sommerpause einen heißen Herbst. Sie haben mit Sicherheit die öffentlichen Diskussionen um die seitens der Alterssicherungskommission vorgeschlagenen Einschnitte im Bereich von Rente und mittelbar – folgt man den Erklärungen der Bundesregierung dazu – auch Versorgung verfolgt. Auch wenn die Parteivorsitzenden Merz und Bas gleich die vollständige Übertragung in Gesetzesform für die zweite Jahreshälfte angekündigt haben – die eigenen Parteien, Fraktionen und Ministerpräsidenten haben ihren Unmut dazu bereits erklärt. Die Wahrheit hinter allen Reformprojekten der Bundesregierung ist schlicht und ergreifend: Der Bundeshaushalt ist dermaßen überdehnt, dass die dauerhafte Gewährleistung der sozialen Sicherungssysteme nicht mehr gegeben ist. Man stelle sich vor, der Bundeszuschuss an die gesetzliche Rentenversicherung, der den höchsten Ausgabepunkt des Bundeshaushalts ausmacht, könnte nicht mehr gezahlt werden. Heißt das Rentenkürzungen? Gleichzeitig ist der vorgeschlagene Verzicht auf das Angebot der abschlagsfreien Rente nach 45 Arbeitsjahren ein größtmöglicher Vertrauensverlust in ein umlagefinanziertes Rentensystem. Der Bundesvorstand hat darüber eingehend in seiner Augustsitzung diskutiert. Wir sehen die Notwendigkeit von Reformen bereits seit vielen Jahren. Die Politik schließt in ein seit vielen Jahrzehnten absehbar unterfinanziertes Rentensystem regelmäßig weitere eigene steuerfinanzierte Projekte ein und produziert mit den gemeinhin systemfremd genannten Vorhaben, wie beispielsweise der in dieser Koalition durch die CSU in den Koalitionsverhandlungen hineinverhandelten Mütterrente, weitere Finanzierungsprobleme für Rentenzwecke ein. Im Jahr 2026 beträgt der Zuschuss des Bundes an die Rentenversicherung Frank Gehlen Bundesvorsitzender inzwischen bereits rd. 145 Milliarden Euro, das sind rd. 30 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes. Nun sollen die Beschäftigten die Folgen dieser falschen Politik erneut allein tragen. Wir sind uns im Bundesvorstand einig: Wer 45 Jahre gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt hat, der hat auch den Anspruch darauf erworben, eigenständig zu entscheiden, wann sie oder er in die Rente oder den Ruhestand geht. Der mit einer etwaigen Aufhebung dieser Möglichkeit der eigenständigen Entscheidung einhergehende erneute Vertrauensverlust ist es, der die vielen langjährig auch in der Bundesverwaltung beschäftigten Kolleginnen und Kollegen vor den Kopf stößt. Ich habe dies in meinen Gesprächen auf Leitungsebene im Bundeskanzleramt, im Bundesinnenministerium und im Bundesarbeitsministerium betont: Die Entscheidung über den Eintritt in die Rente oder in den Ruhestand ist eine sehr individuelle und ihr kann nicht mit der pauschalen Beschränkung für alle begegnet werden. Das Argument, dass es die Gutverdienenden seien, die das Instrument überwiegend nutzen würden, wird durch die Erhöhung des auf eine solche Entscheidung folgenden Abschlages für diese Gruppe weniger relevant sein. Für die geringeren Einkommen ist die Erhebung von (erhöhten) Abschlägen tatsächlich ein Ausschlusskriterium, trotz über 45 Jahren Arbeit und Einzahlung früher als zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente gehen zu können. Die Übertragung auf die Versorgung ist in den 33 Punkten ebenfalls angeregt, wo möglich. Auch hier rechnen wir mit Vorschlägen der Bundesregierung zur Erhöhung des Alters zum Eintritt in den Ruhestand, der maximal erreichbaren Versorgung und eventuell weiteren Einschnitten. Auch wenn es zunächst um die originäre Umstellung in der Rentenversicherung und die Folgen für die Tarifbeschäftigten geht, für die Beamtinnen und Beamten werden solche Änderungen ebenfalls Einschränkungen mit sich bringen. Der vbob wird hier gemeinsam mit der Dachorganisation dbb die Interessen der Beschäftigten der Bundesverwaltung vertreten. Unser Jubiläumsjahr geht munter weiter. Wir freuen uns über jede und jeden, die sich für eine Mitgliedschaft in unserer Solidargemeinschaft entscheiden, und ich begrüße an dieser Stelle herzlich die neuen Mitglieder des vbob. Werben Sie weiter, eine starke Solidargemeinschaft stärkt auch die Verhandlungsposition. Lesen Sie auch Berichte über die weiteren Jubiläumsaktionen, melden Sie sich zur Laufchallenge des vbob an und schreiben Sie uns Ihre Ideen als Mitglied des vbob. Gemeinsam starke Solidargemeinschaft und gesund bleiben, das ist unser Ziel! Mit besten Grüßen Ihr < Editorial © Reimo Schaaf 3 vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte > vbob Magazin | September 2026

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