vbob Magazin 9/2026

zahlreiche Formen des Extremismus: Unsere Demokratie steht unter vielfältigem Druck von außen wie von innen. Wir werden praktisch permanent angegriffen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz als Inlandsdienst steht jeden Tag dafür ein, die Menschen in unserem Land zu schützen und unsere freiheitliche Demokratie zu verteidigen. Freiheit in Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit.“ Steigende Zahlen Im Jahr 2025 wurden insgesamt 58 851 Straftaten mit extremistischem Hintergrund verzeichnet; 2024 waren es 57 701. Die Zahl der darin enthaltenen Gewalttaten stieg mit rund zehn Prozent deutlich auf 3 294. Deutschland, geht aus dem Bericht hervor, ist weiterhin eines der wichtigsten Ziele für ausländische Nachrichtendienste. Im Jahr 2025 gingen nachrichtendienstliche Aktivitäten hauptsächlich von der Russischen Föderation, der Volksrepublik China und der Islamischen Republik Iran aus. Im Fokus stehen insbesondere die Bereiche Politik, Militär, Wirtschaft und Wissenschaft, um unter anderem politische Entscheidungsprozesse auszuforschen und zu manipulieren, Know how abzugreifen und zu sabotieren. Das Personenpotenzial, also die geschätzte Anzahl von Personen, die einem bestimmten extremistischen Spektrum zugeordnet werden, ist 2025 im Rechtsextremismus noch einmal deutlich um 17 Prozent angewachsen und umfasst 58 700 Personen. Die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten stieg dabei von 15 300 auf 15 600. Das linksextremistische Personenpotenzial sieht der Bericht bei 42 200 Personen, von denen 11 600 gewaltorientiert sind. Im Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus ist das Personenpotenzial leicht von 28 280 auf 28 645 gestiegen, 9 110 werden als gewaltbereit eingeschätzt. Ebenfalls gestiegen – von 32 500 im Jahr 2024 auf 33 850 im Jahr 2025 – ist die Anzahl der Personen im auslandsbezogenen Extremismus. Das gewaltorientierte Personenpotenzial in diesem Bereich umfasst rund 22 000 Personen. Feindbilder verstärken sich durch soziale Medien Weiter analysiert der Verfassungsschutzbericht, wie sich extremistische Bewegungen über Strömungen und ideologische Differenzen hinweg im Kontext des Nahostkonflikts miteinander solidarisierten, insbesondere nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. „Israelfeindschaft und Antisemitismus verbinden unterschiedliche und an sich unvereinbare extremistische Einstellungen. Sie bilden eine ideologische Schnittmenge und eine Brücke zwischen verschiedenen Formen des Extremismus“, heißt es im Bericht. Extremistische Akteure seien besonders in sozialen Medien wie Instagram oder TikTok aktiv, um für die Teilnahme an Veranstaltungen zu mobilisieren und Propagandainhalte zur Radikalisierung der Nutzerinnen und Nutzer zu verbreiten. „Es bilden sich gemeinsame Resonanzräume, weitverzweigte, oft internationale Vernetzungen, die zu einer schnelleren Radikalisierung häufig sehr junger Menschen führen. Auch reichweitenstarke Online Medien und sogenannte Content Creators fungieren dabei als Multiplikatoren zur Verbreitung der jeweiligen Ideologie. Auch Gaming Plattformen wie Roblox werden von extremistischen Akteuren gezielt genutzt, um junge Menschen anzusprechen und ideologisch zu beeinflussen“, heißt es weiter. Befugnisse erweitern, Ausstattung verbessern Für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) bestätigen die extremistischen Entwicklungen die langjährigen Wahrnehmungen der Polizei. Der DPolG Bundesvorsitzende und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Heiko Teggatz betont in Reaktion auf den Bericht, jede Art von Extremismus – ob von rechts, links oder islamistisch motiviert – müsse mit derselben Entschlossenheit bekämpft werden. „Keine Form politisch motivierter Gewalt darf verharmlost oder unterschiedlich bewertet werden“, erklärt Teggatz. Wer Gewalt verübe, Anschläge begehe, Gesetze missachte oder Einsatzkräfte angreife, greife unmittelbar den Rechtsstaat an. Die aktuellen Erkenntnisse machen deutlich, dass sich die Sicherheitsbehörden auf neue Erscheinungsformen linksextremistischer Gewalt einstellen müssen. „Polizei und Nachrichtendienste benötigen unbedingt die notwendigen rechtlichen Befugnisse, moderne Ausstattung und ausreichend Personal“, so der DPolGBundesvorsitzende. Diese Thematik müsse bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen nach der Sommerpause unbedingt Berücksichtigung finden. Ebenso müsse der Schutz kritischer Infrastruktur angesichts der veränderten Bedrohungslage weiter ausgebaut werden. br Verfassungsschutzbericht 2025 © ownza stock.adobe.com Der komplette Verfassungsschutzbericht 2025 im Download: t1p.de/verfassungsschutz25 Webtipp 26 FOKUS vbob Magazin | dbb seiten | September 2026

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