vbob Magazin 9/2026

ONLINE Demokratieplattformen im Netz Ein Fitnessstudio für Demokratie Extremistische Einstellungen, Demokratieverdrossenheit und Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen nehmen spürbar zu. Umso wichtiger sind Organisationen und Projekte, die sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung starkmachen. Im Netz finden Engagierte und Initiativen leichter zueinander. Wie blickt Deutschland auf die Demokratie? Alle zwei Jahre untersucht die Heinrich Böll Stiftung gemeinsam mit der Universität Leipzig, wie verbreitet autoritäre und rechtsextreme Einstellungen sind. Die gute Nachricht: Die Zustimmung zur „Idee der Demokratie“ liegt seit Beginn der Erhebungen konstant auf sehr hohem Niveau – meist zwischen 90 und 95 Prozent. Auch die Demokratie, „wie sie in der Verfassung festgelegt ist“, erreicht mit 70 bis 80 Prozent weiterhin ordentliche Werte, in Ost wie West. Deutlich gemischter fällt dagegen das Urteil über die Demokratie aus, „wie sie in der Bundesrepublik Deutschland funktioniert“. Hier pendelten die Zustimmungswerte über zwei Jahrzehnte hinweg um die 50 Prozent Marke. Zuletzt sank die Zustimmung allerdings spürbar – auf 42 Prozent. Der Befund ist kein Beleg für eine pauschale Abkehr von demokratischen Grundüberzeugungen, wohl aber ein Warnsignal: Viele Menschen trennen offenbar zwischen dem Ideal der Demokratie und ihren Erfahrungen mit politischer Praxis, Verwaltung und gesellschaftlichen Konflikten. Demokratie trainieren Der Soziologe Oskar Negt brachte es auf den Punkt: „Demokratie ist die einzige politisch verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss – immer wieder, tagtäglich und bis ins hohe Alter hinein.“ Genau hier setzen Demokratieplattformen an. Sie wollen Menschen nicht nur informieren, sondern sie ermutigen, demokratisches Handeln auszuprobieren: debattieren, widersprechen, zuhören, Kompromisse suchen. Kurz gesagt: Sie schaffen Trainingsräume für Demokratie. Die Projekte bieten niedrigschwellige Möglichkeiten, Demokratie zu erleben, Diskriminierung entgegenzutreten und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Mal geht es um politische Bildung, mal um Engagement vor Ort, mal um Beratung für Vereine, Schulen oder Kommunen. Manche Plattformen stehen unter der Schirmherrschaft von Bundesministerien, andere arbeiten unabhängig. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, demokratische Praxis sichtbar und zugänglich zu machen. „Demokratieplattformen sind wichtige Knotenpunkte, um sich auszutauschen und zu vernetzen“, erklärt Heini Schmitt, stellvertretender dbb Bundesvorsitzender und Fachvorstand Beamtenpolitik, gegenüber dem dbb magazin. Gerade in einer Zeit wachsender Polarisierung böten sie eine Möglichkeit, Menschen wieder an einen Tisch zu bringen. „Extremisten arbeiten mit Hochdruck daran, die Demokratie als Staatsform schlechtzureden und ihren Prozessen die Legitimität abzusprechen. Dem können Damit das Internet keine Echokammer bleibt, vernetzen Demokratieplattformen Engagement. © Collage: Rawpixel.com stock.adobe.com/dbb FOKUS 29 vbob Magazin | dbb seiten | September 2026

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