vbob Magazin 9/2026

und müssen wir etwas entgegensetzen. Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie.“ Plattformen und Projekte könnten dafür genau jene demokratischen Muskeln stärken, die im Alltag gebraucht werden: Vertrauen, Streitkultur und Zusammenhalt gegen Extremismus. Projekt gesucht, Projekt gefunden Wie eine Demokratieplattform funktioniert, zeigt ein Blick auf app.demokratie plattform.de: Interessierte können dort in einem Veranstaltungskalender stöbern, gezielt nach Angeboten in ihrer Region suchen oder Themen auswählen, die sie besonders beschäftigen. Wer selbst ein Angebot organisiert, kann Veranstaltungen einstellen, Projekte sichtbar machen und neue Teilnehmende erreichen. Die Formate und Themen sind breit gefächert: ein Workshop zum Katastrophenschutz, eine Ausstellung über Anne Frank, eine Diskussionsrunde mit und über junge Menschen mit Migrationsgeschichte oder ein Online Treffen für demokratisch Engagierte in Hessen. Die Niedrigschwelligkeit ist die Stärke. Demokratie erscheint nicht als Pflichtübung im Seminarraum, sondern als etwas, das in Schulen, Vereinen, Nachbarschaften und digitalen Räumen stattfinden kann. Die Anbieter kommen aus allen Teilen Deutschlands. Besonders aktiv sind verschiedene Landeszentralen für politische Bildung, aber auch regionale Ableger parteinaher Stiftungen. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, Freiwillige für Projekte oder Mitarbeitende für Organisationen zu suchen. Damit wird die Plattform nicht nur zum Schaufenster für Veranstaltungen, sondern auch zu einer Art Stellen und Engagementbörse für die demokratische Zivilgesellschaft. Wird die Plattform plattgemacht? Eine Demokratieplattform ist allerdings bekannter als viele andere: das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Organisationen können dort Projekte anmelden und Zuschüsse erhalten. Auch „Demokratie leben!“ verfügt über eine eigene Online Plattform, auf der Interessierte nach Aktionen und Projekten suchen können. In die Schlagzeilen geriet das Programm zuletzt jedoch aus einem anderen Grund: die Kürzungspläne der Bildungsministerin. Dass ausgerechnet in Zeiten aufkeimenden Extremismus dessen Prävention auf den Prüfstand gestellt wird, stößt bei vielen auf Kritik. Das BMBFSFJ möchte das Programm anders ausrichten: Zivilgesellschaftliche Initiativen sollen weniger stark im Mittelpunkt stehen, Gewerkschaften, freiwillige Feuerwehren, Schulen oder Sportvereine dagegen stärker. Für rund 200 Projekte bedeutet das eine zum Jahresende vorzeitig auslaufende Finanzierung. Zwar können sie sich erneut bewerben, die Neuausrichtung sorgt jedoch für Unsicherheit. Bleibt die Frage, die bei all den Plattformen und Projekten im Raum steht: Funktioniert das wirklich? Das BMBFSFJ wollte es genauer wissen und veröffentlichte Ende 2024 eine Auswertung der Projekte, die im Rahmen von „Demokratie leben!“ stattgefunden hatten. Leichte bis deutliche Verbesserungen zeigten sich sowohl in Themenfeldern wie Demokratieförderung, Antirassismus und Vielfalt als auch bei Methoden wie der Sensibilisierung für die Themen, der Unterstützung von Betroffenen und der politischen Partizipation. Ein Beispiel: Die Zustimmung zur Aussage, dass sich viele Akteurinnen und Akteure aktiv mit Demokratieförderung auseinandersetzen, stieg von 75 Prozent im Jahr 2021 auf 88 Prozent im Jahr 2023. Verwaltung einbeziehen Die Studie fragte die Projektpartner auch, welche Bereiche des öffentlichen Lebens für sie besonders relevant seien. Zivilgesellschaftliches Engagement und das Situationswissen der Bürgerinnen und Bürger haben demnach durchweg einen hohen Stellenwert. Die Verwaltung rückt dagegen vergleichsweise selten in den Fokus. dbb Vize Heini Schmitt sieht hier ungenutztes Potenzial: „Demokratiefördernde Projekte sollten die öffentliche Verwaltung mehr einbeziehen. Sie können von einer stärkeren Einbindung der Verwaltung nur profitieren. So kann auch die Verwaltung ihren Beitrag zur wehrhaften Demokratie leisten.“ Für viele Menschen sei die Verwaltung der häufigste Kontaktpunkt mit dem Staat. Gerade deshalb komme ihr eine besondere Vorbildrolle zu, auch in der Frage, ob staatliches Handeln als fair und nachvollziehbar erlebt wird. „Wenn Verwaltung demokratische Werte glaubwürdig vermittelt, kann sie selbst zu einem Ort politischer Bildung werden. Um diese Kompetenz weiter zu schärfen, brauchen wir entsprechende Schulungen und Weiterbildungen für die Beschäftigten.“ Der Bericht sieht das ähnlich und empfiehlt den Akteurinnen und Akteuren der Demokratieprojekte, Verwaltungsmitarbeitende stärker als Zielgruppe in den Blick zu nehmen und zugleich intensiver in die eigene Praxis einzubinden. Dafür müsse die fachliche Fort und Weiterbildung der Beschäftigten gestärkt werden. dsc Debattenkultur jenseits des Internets ist ein Grundpfeiler gelebter Demokratie. © Tom Merton/KOTO stock.adobe.com 30 FOKUS vbob Magazin | dbb seiten | September 2026

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