BILDUNGSPOLITIK Frühkindliche Bildung Aus Erkenntnissen muss Förderung werden Die Politik sucht nach Wegen, die Bildungsqualität zu stärken. Aktuell sollen eine Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern sowie eine stärkere datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung dazu beitragen. Der dbb hat beide Ansätze in aktuellen Positionspapieren bewertet. Bildungsstudien zeigen seit Jahren wiederkehrend Defizite bei den Basiskompetenzen vieler Kinder und Jugendlicher. Lesen, Schreiben und Rechnen fallen einem wachsenden Teil der Schülerinnen und Schüler schwer. Noch immer entscheidet die Herkunft eines Kindes in Deutschland in erheblichem Maße über seine Bildungschancen. Bildungsbiografien werden früh geprägt und gesellschaftliche Teilhabe erschwert. Dadurch bleiben zu viele Potenziale ungenutzt. Gerade in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen wiegt das besonders schwer. Ob Kinder ihr Potenzial entfalten können, entscheidet sich bereits in den ersten Lebensjahren. Zahlreiche Studien zeigen, dass frühe Entwicklungserfahrungen den weiteren Bildungsverlauf nachhaltig prägen. Die frühe Bildung rückt deshalb auf Bundesebene zunehmend in den Mittelpunkt bildungspolitischer Debatten. Mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung hat die Bundesregierung ihre Pläne inzwischen konkretisiert. Vorgesehen ist, den Sprachstand aller Kinder spätestens im fünften Lebensjahr festzustellen und bei Bedarf eine darauf abgestimmte Förderung zu organisieren. Später sollen weitere Entwicklungsbereiche hinzukommen. Der dbb unterstützt die grundsätzliche Stoßrichtung des Entwurfs, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf. Der Bund formuliert gemeinsame Qualitätsziele, überlässt deren konkrete Umsetzung aber weitgehend den Ländern. Ob auf festgestellte Bedarfe eine fachlich vergleichbare und verlässliche Förderung folgt, hängt damit weiterhin vom Wohnort ab. Früh fördern, Chancen stärken „Es ist gut, dass die frühe Bildung endlich mehr Aufmerksamkeit bekommt“, sagt Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb und des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Wenn wir Bildungschancen ernsthaft verbessern wollen, müssen wir früh ansetzen. Je früher Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, desto besser sind ihre Chancen auf ihrem weiteren Lebensweg. Aber kein Kind lernt besser, nur weil sein Förderbedarf festgestellt wurde. Entscheidend ist, was danach passiert. Auf einen festgestellten Unterstützungsbedarf muss konkrete und passgenaue Förderung folgen.“ Die Feststellung im fünften Lebensjahr kann dabei nur ein Baustein sein. Sprachliche Bildung und Entwicklungsbegleitung müssen wesentlich früher beginnen und kontinuierlich im Alltag der Einrichtungen stattfinden. Werden Bedarfe erst kurz vor dem Übergang in die Grundschule festgestellt, bleibt wenig Zeit, um darauf zu reagieren. Umso wichtiger sind die Beobachtungen und © gpointstudio stock.adobe.com FOKUS 35 vbob Magazin | dbb seiten | September 2026
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