vbob Magazin 9/2026

Thema Arbeitsvorgang um die Ecke zu kommen … Heini Schmitt: … und beim Berufsbeamtentum wiederholt Bundesarbeitsministerin Bas seit Monaten dieselbe Leier, dass sich die Probleme beim Thema Rente durch die Einbeziehung der Beamten von selbst lösen würden. Das Gegenteil ist richtig: Wir demontieren einen wichtigen Stützpfeiler unserer politischen Ordnung, einen Bewahrer unserer Demokratie, und streuen den Bürgerinnen und Bürgern dabei noch Sand in die Augen. Fakten und Berechnungen bietet die Ministerin nicht. Dafür aber operiert sie gerne mit „gefühlter Gerechtigkeit“. Da kommt mir gelegentlich schon mal der Begriff von den „alternativen Fakten“ in den Sinn. tacheles: Aber ist es nicht auch ein Problem, dass alle – die Parteien, die Gewerkschaften, die veröffentlichte Meinung – Reformbedarf sehen, nur eben nicht bei sich? Hemsing: Natürlich sind Reformdiskussionen und erst recht Reformbeschlüsse stets schmerzhaft. Ich könnte jetzt sagen, dass wir als Tarifpartner gewohnt sind, Kompromisse einzugehen. Aber so einfach ist es aktuell in unserem Land und in unserer Gesellschaft nicht. Wir stehen gemeinsam vor großen Herausforderungen und registrieren schon jetzt den Verlust von liebgewonnenen Dingen, die lange als Selbstverständlichkeit galten. Aber gerade dann muss in der Gesellschaft ein Diskussionsprozess in Gang gebracht werden, der Klarheit darüber verschafft, was wollen und brauchen die Bürgerinnen und Bürger? Was erwartet die Wirtschaft und vor welchen Herausforderungen steht unser Land außenpolitisch? Auch wir Gewerkschaften werden uns gelegentlich schwertun, Veränderungen zuzustimmen. Aber wir sind bereit zur Diskussion über den besten Weg – wenn er auf Fakten und Gerechtigkeit basiert! tacheles: Wie nehmt ihr beiden eigentlich die Diskussion im dbb und bei seinen Mitgliedsgewerkschaften wahr? Gibt es Eintracht und Geschlossenheit zwischen den Statusgruppen? Schmitt: Da bin ich ganz entspannt. In der dbb Familie stellt das Miteinander der Statusgruppen eine gewachsene Tradition dar, die wir auch bei den Einkommensrunden stets aufs Neue und erfolgreich leben und die auch jetzt deutlich spürbar ist. Hemsing: Unsere Mitglieder merken doch auch, dass der Angriff auf den öffentlichen Dienst dieses Mal den Schwerpunkt im Beamtenbereich hat. Beim nächsten Mal sind es dann wieder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei der Politik aus ideologischen Gründen oder weil der Finanzminister ein Loch in seiner Kasse entdeckt hat, Sonderopfer bringen sollen. Es ist gleichsam das einzig Gute an dieser rein populistischen Art der Politik, dass sie es uns leicht macht, geschlossen und mit den besseren Argumenten aufzutreten. tacheles: Mittlerweile hat die Rentenkommission ihre Vorschläge vorgelegt, 33 an der Zahl. Bundesarbeitsministerin Bas spricht von einem Gesamtkunstwerk. Wie bewertet ihr das Vorschlagspaket? Hemsing: Aus Sicht der Arbeitnehmenden stellen wir fest, dass die vorgelegten Vorschläge diskussionswürdig sind, da wir für viele Beschäftigte eine daraus indirekt resultierende Rentenkürzung befürchten. Es gibt durchaus in die Zukunft gerichtete Vorschläge, bei denen es dann aber darauf ankommt, wie sie konkret ausgestaltet werden. Es gibt aber auch Vorschläge, die wir nicht hinnehmen werden. Manches ist zu pauschal und bildet nicht die Lebensleistung und Belastung der Arbeitnehmenden ab. So ist eine pauschale Erhöhung des Lebenszeitalters nicht vernünftig, wenn ich mir unvor­ © tacheles/dbb 5 vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte > vbob Magazin | September 2026

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