< Zitat des Monats „Die Rentenkommission hat ein ausgewogenes Gesamtpaket vorgelegt“ Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, am 23. Juni 2026 zu den 33 Vorschlägen der Rentenkommission Volker Geyer hat direkt zu den „ausgewogenen“ Empfehlungen der Kommission Stellung bezogen: „In vielen Berufen schaffen es die Kolleginnen und Kollegen gesundheitlich schon heute kaum bis zum regulären Renteneintritt! Wenn überhaupt, ist das nur machbar mit entsprechend großzügigen Ausnahmen nach einer Gesundheitsprüfung, wie sie im Kommissionsbericht angedacht sind. Hier wird es auf die konkrete Ausgestaltung ankommen.“ Zur vorgeschlagenen teilweisen Kapitaldeckung der Rentenansprüche erklärte Geyer: „Das ist eine interessante Idee, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die Regierung spricht dauernd davon, die Belastungen für Beschäftigte und Wirtschaft senken zu wollen. Das Gegenteil würde aber beim angedachten Kapitaldeckungsmodell passieren. Die Lohnnebenkosten würden weiter erhöht. Das würde bedeuten, dass noch weniger Netto vom Brutto bleibt. So geht das nicht.“ Bei allen angedachten Maßnahmen – auch hinsichtlich des Rentenniveaus – muss sichergestellt werden, dass der Lebensstandard aktueller sowie künftiger Rentnerinnen und Rentner gewahrt bleibt. Geyer weiter: „Die Kommission hält eine Einbeziehung der Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung für nicht sinnvoll. Wie wir. Die Kommission empfiehlt, dass Bund und Länder verpflichtend Vorsorge für zukünftige Pensionszahlungen treffen müssen. Wie wir. Die Kommission sieht die Notwendigkeit, dass Änderungen im Rentenrecht systemgerecht auf die Versorgung übertragen werden müssen. Das ist bereits heute im Wesentlichen gängige Praxis!“ An anderer Stelle sprach Ministerin Bas von einem „Gesamtkunstwerk“. Wir sind gespannt, ob und wie sie dieses „Kunstwerk“ in der Koalition umsetzt. tacheles/dbb eingenommen die psychische und physische Belastung in vielen Berufen – gerade des öffentlichen Dienstes – anschaue. Das gilt umso mehr, als unter diesen belasteten Berufen viele sind, bei denen die Menschen schon früh ins Arbeitsleben eintreten. Wer weit über vier Jahrzehnte ins System eingezahlt hat, der sollte nicht noch bestraft werden. Es fehlt uns der Aspekt, dass Nichteinzahlende in diesem System nicht durch dieses selbst, sondern durch die von der Allgemeinheit, von allen gezahlten Steuern zu versorgen sind. Beim vieldiskutierten Stichwort einer „kapitalgedeckten Rente“ als weiterer Säule in der Altersversorgung sehen wir die Gefahr, dass sich dadurch die Lohnnebenkosten weiter erhöhen zulasten von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Weniger Netto vom Brutto können wir nicht akzeptieren, gerade auch, weil wir zum Beispiel die Belastungen, die im Bereich der Pflege auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen sollen, mitdenken müssen. Von daher braucht die Idee einen konkreten Umsetzungsvorschlag, um sie tatsächlich bewerten zu können. tacheles: Wie geht‘s aus eurer Sicht weiter? Schmitt: Jenseits der konkreten Inhalte muss die Bundesregierung einen Diskussionsprozess moderieren, der beides zugleich schafft: ausführliche Diskussion mit allen betroffenen Sozialpartnern und zügige Entschlussfassung. Das ist möglich, wenn die Bundesregierung sich entschließen würde, sich weniger mit sich selbst zu befassen. Wir als dbb sind zur Diskussion bereit und faire Lösungen werden wir auch offensiv unterstützen. Es war nicht Aufgabe der Rentenkommission, darüber zu befinden, wie der Sozial- und Rechtsstaat bei uns zukünftig beschaffen sein soll. Der Regierungskoalition können wir diese Aufgabe nicht ersparen, auch mit Blick auf das Berufsbeamtentum und den öffentlichen Dienst insgesamt. Hemsing: Wir können aber auch anders. Wenn Lösungen gesucht und gefunden werden, die sich nicht an der Sache, sondern an den Weltbildern der beiden Koalitionspartner orientieren, werden wir entschlossen dagegenhalten. Was Heini gerade als Erwartungshaltung in Richtung Regierungskoalition und die sie tragenden Parteien sagte, will ich für den Tarifbereich noch einmal konkretisieren: Im nächsten Jahr verhandeln wir mit Bund und Kommunen eine Einkommensrunde, ein Jahr später sind die Länder wieder dran. Wie eben schon gesagt, klagen die Länder lieber als zu verhandeln. Am Verhandlungstisch sitzen wir zumeist Vertretern aus CDU/ CSU und SPD gegenüber und müssen feststellen, ein Plan, wie das Land in schwerer Zeit zu gestalten ist, fehlt dort zumeist. Hinter den Einzelmaßnahmen, sei es bei der Rente, sei es bei der Pflege oder sei es bei Tarifverhandlungen, muss ein Plan erkennbar werden. Das erwarten unsere Mitglieder. Vor allem erwarten das aber auch die Bürgerinnen und Bürger. Der dbb wird – mit und für beide Statusgruppen – nicht müde werden, einen solchen Plan einzufordern. Das Interview wurde hier nur in Teilen veröffentlicht. Das ganze Interview kann im tacheles, Ausgabe 7/8-2026, nachgelesen werden. _ © Steffen Kugler <Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales 6 vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte vbob Gewerkschaft Bundesbeschäftigte > vbob Magazin | September 2026
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